Das ist die Laufeinheit

Von allem gibt es in der Regel zuhauf bis zu viel. Das gilt für „Fashion“-Blogs („Das Top wurde mir kostenlos von S. Oliver zur Verfügung gestellt, natürlich hat dieses Geschenk keinen Einfluss auf meine Rezension …“), Diät-Blogs („Zwei Kilo! In nur drei Tagen! Das Kotzen bringt’s!“) und für solche Blogs, die sich dem Thema Laufen verschreiben. Das Gros der Blogs geht mit Fug und Recht unter und findet sein Publikum nicht.

Warum geschieht das der Laufeinheit nicht? Weil ich bereits vor dem Start acht Follower hatte! Und nur zehn davon waren gekauft … Natürlich droht auch diesem Blog die Versenkung, was ich angesichts des seppologs, meinem zweiten Blog, verkraften könnte, doch glaube ich, dass ein Blog, das spezielle Interessen bedient, durchaus punkten kann, zumal ich hier – und jetzt kommt der absolute Marketingsatz! – „alles anders machen möchte, als andere Laufblogs es tun“! Das bedeutet nicht, dass ich andere schlecht finde, aber dass ich weiß, dass sich die Laufeinheit wird durchsetzen müssen gegen eine Vielzahl sehr lesbarer Blogs von Joggern und solchen, die Läufer werden wollen.

Hier geht es nicht um die Frage, wie ein Laufanfänger in drei Monaten seinen ersten Marathon bewerkstelligt, was möglich und respektabel ist!, und auch nicht um jene, ab wie viel Uhr ich keine Kohlenhydrate mehr essen darf, da ich unabhängig von Uhr- und Speiseplänen esse. Was nicht immer gesund ist, aber dem erfolgreichen Laufen mitnichten im Wege steht. Ich muss mein Vergnügen im Alltag nicht dem Laufen unterordnen. Das Laufen soll ein weiteres Vergnügen sein.

Ich bin Seppo, 36 oder 37 Jahre alt, und lebe und laufe in einer der schönsten Städte Deutschlands. Nein, kleiner Scherz. Ich lebe in Düsseldorf. Und das seit knapp neun Jahren, nachdem ich in Münster geboren, gewachsen und gebildet worden war. Ja, ich wurde gewachsen. Folgende Studiengänge habe ich nicht studiert:

  • Sportwissenschaften
  • Sportpsychologie
  • Sport auf Lehramt
  • Sportmanagement
  • Sportjournalismus
  • Sport und Technik
  • Sport und Gesundheit

Sondern ich verlor mich in Geisteswissenschaften wie Wirtschaftspolitik und Politikwissenschaft. Mich qualifiziert somit nichts für einen Laufblog.

Sieht man von meiner 16-jährigen Lauferfahrung einmal ab, die einigermaßen bewegt ist. Damit ist klar, dass die Laufeinheit kein Blog ist, der sich an Profis richtet. Das Messen von Laktatwerten und anderen Körperfunktionen beim Laufen lehne ich ab, obwohl dieses durchaus legitim ist, aber eben nicht meiner Laufphilosophie entspricht, die diesen Blog prägen soll, denn alles andere tun die bereits guten und bestehenden Laufblogs, derer ich einigen durchaus folge.

Mich stößt beispielsweise schon der Blick in die gängigen Tabellen ab, anhand derer ich meinen Maximalpuls ermitteln soll. Keine Tabelle dieser Welt kennt meinen ganz individuellen Maximalpuls! Die Faustformel 220 abzüglich absolvierter Lebensjahre ist nicht mehr als eine Faustformel, hat aber mit der Realität oftmals nichts zu tun. Und übrigens messe ich meinen Puls weder vor, während noch nach dem Laufen. Ich habe das durchaus mal getan und hin und wieder festgestellt, „Könnte niedriger sein“, was mich in meinem Tun aber nur kurzfristig beeinflusst hat. Ich laufe nicht für meinen Pulsgurt, sondern für – tadaaaaa! – meinen Geist.

Wer also erfahren will, wie er am schnellsten die ersten zehn Kilometer bewältigt, ist woanders vermutlich besser aufgehoben, denn Laufen ist zwar eine Wissenschaft, nicht aber für mich. 16 Jahre Erfahrung bedeuten, dass ich viel Zeit hatte, alle Fehler zu begehen, die man als Laufanfänger gerne jahrelang mit sich herumschleppt, diese aber auch auszumerzen. So wie jedes Kind einmal auf eine heiße Herdplatte fassen möchte, bin auch ich heute stolz drauf, meine Achillessehne schon mindestens einmal überfordert zu haben oder – Standardfehler – oft zu schnell zu laufen, was beim Laufen gar nicht entscheidend sein muss.

Ich bin kein Wettbewerbsläufer. Nicht aus Prinzip nicht, sondern weil es einfach so ist. Das hängt womöglich mit meiner ganz persönlichen Sportgeschichte zusammen: Meine ersten 22 Jahre war ich Turnbeutelvergesser. Schulsport war für mich ein Graus, ich war das gefundene Fressen für die Sportfreaks im Jahrgang, die Spaß daran hatten, mir Bälle zukommen zu lassen, deren Flugbahn ich auch dann noch nicht erfasst hatte, als sie bereits von meinem Gesicht wieder abgeprallt waren.

Mit 22 Jahren änderte sich etwas. Ich kam in die Verlegenheit, einem Zug hinterherzurennen. Ich erwischte ihn noch, fand mich aber in einem desolaten körperlichen Zustand wieder. 100 Meter zu laufen, zu rennen – für mich ein großes Problem und einem Jüngling wie mir nicht würdig. Ich begann das Laufen, während meine Freunde schon seit dem Kindergarten in Sportvereinen zuhause waren. Ich fing bei null an, was mir mein Körper auch unmissverständlich signalisiert hatte. Doch bereits innerhalb der ersten Wochen erntete ich Trainingserfolge, die mir – es mag übertrieben klingen – ein ganz neues Körpergefühl gaben. Dass man selbst Verantwortung für seinen Corpus trägt, wurde mir damals sehr bewusst. Und bis heute ist mir unbegreiflich, woher ich aus dem Nichts heraus die Disziplin genommen habe, wirklich fünfmal pro Woche zu laufen. Seit mehr als 15 Jahren. Die Entscheidung, das zu tun, muss man für sich getroffen haben.

Heute kann ich sagen, dass viele der Sportcracks von damals fett und glatzköpfig geworden sind. Fett bin ich nicht, das Haupthaar ist mehr als erahnbar, aber ich bin sportlich geworden. Hätte man der 20-jährigen Variante von mir erzählt, was ich mit 30 so treiben würde, ich hätte es nicht geglaubt.

Laufen bewegt unfassbar viel und ist eben nicht nur langweilig. Es geht nicht um Gewichtsabnahme oder Muskelaufbau – für beides ist Laufen ungeeignet -, es geht um Respekt vor dem Körper und die Erkenntnis, was Laufen alles möglich macht. Ich erinnere mich sehr gut an den einen Moment, an dem ich das erste Mal 90 Minuten am Stück einfach nur gelaufen war: Man bekommt eine Ahnung davon, was alles machbar ist; der Begriff der Ausdauer erfährt völlig ungeahnte Dimensionen.

Diese und weitere ähnliche Gedanken führen zu einer Disziplin, die mir mehr als 20.000 gelaufene Kilometer in rund 3.000 Läufen ermöglicht hat. Es gab Höhen und es gab Tiefen, aus beidem kann man lernen – und eben nicht nur für das Laufen an sich, sondern auch für andere Herausforderungen im Leben. Wer den inneren Schweinehund im Sport überwindet, vermag das auch in anderen Lebensbereichen zu tun.

Es klingt abgedroschen, aber es ist tatsächlich zutreffend. Darum geht es in der Laufeinheit. Um das subjektive Empfinden bei einem guten Lauf, um die Philosophie, die dahinterstehen kann.

Ein Profi ist hier also nicht am Werk, jedoch auch kein Laie. Denn Laufliteratur habe ich in Massen konsumiert – einiges ist mit Vorsicht zu lesen – und auf manchen Expertenrat durchaus gehört. Es gibt dieses nicht totzukriegende Klischee über das Laufen, dass es den Gelenken schade: Wer richtig läuft, schadet nichts und niemandem. Das weiß ich, weil ich 13 Jahre lang falsch lief – wie die meisten Jogger und Läufer. Ohne mein Wissen überschätzen zu wollen, möchte ich hier in der Laufeinheit zumindest meinen Erfahrungsschatz weitergeben. Die Kommunikation mit Euch soll dabei ein wesentlicher Bestandteil werden, beteiligt Euch gerne!

Ich freue mich auf Euch, fange klein an und hoffe auf Großes. Wie beim Laufen.

20 Kommentare Gib deinen ab

  1. Seppo sagt:

    Hat dies auf seppolog rebloggt und kommentierte:

    Zum Start meines neuen Blogs „Die Laufeinheit“ erlaube ich mir erstmals, mich selbst zu rebloggen! Geiles Gefühl. Ich würde mich sehr über Eure Unterstützung freuen!

    Gefällt 1 Person

  2. szWebBlog sagt:

    Ich wünsche einen guten Start und einen tollen Lauf mit der Laufeinheit! Ich bin gespannt auf deine Beiträge.
    Lg Stefan
    P.S. Bei Lust und Laune, schau doch mal bei mir vorbei. Auf szWebBlog.com widme ich die Sonntagsbeiträge der Bewegung. Ob im Alltag oder im Lauftraining.

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    1. Seppo sagt:

      danke schön! ich schaue so oder so vorbei 🙂

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  3. ChaosLu sagt:

    Seppo, wird das zumindest partiell ein Wünsch-Dir-Was-Blog? Dann schreib ich mal was auf meinen Wunschzettel: Klär mich über das nicht-gelenkschadende Laufen doch bitte unbedingt auf. Bin früher auch gelaufen, nach zwei Schwangerschaften und zu viel Zeit auf dem Sofa trau ich mich nicht – meine Waage zeigt mir über 100 Kilo an und ich kann einfach nicht glauben, dass das meinen Gelenken nicht schaden soll, wenn ich jetzt wieder laufe. Zumal mir der Orthopäde ungefragt schon Arthrose in den Sprunggelenken diagnostiziert hat (Röntgenbild). Klitzekleiner Haken an der Sache: Wenn Du Dir jetzt Deine Gelenke durchnudelst, merkst Du das unter Umständen erst daran, dass Dich Dein Orthopäde in 20 Jahren zur Gelenkersatz-OP anmeldet. Dann ist es zu spät, zu bereuen, und auf so was bin ich nur bedingt scharf drauf. Auf der anderen Seite wäre Laufen eine prima Sache, um meine Kilos wieder runter zu kriegen. Und? Hast Du Aufklärung für mich?

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    1. Seppo sagt:

      ich bin natürlich kein arzt, der vermutlich einen walkenden anfang empfehlen würde. ich wehre mich aber gegen pauschalaussagen, ich würde meine gelenke jetzt bschon überfordern. ich kenne mehr menschen, die ohne überforderung bereits ruinierte gelenke haben. … aber auch solcher dinge werde ich mich gerne annehmen. gib mir noch etwas zeit, ich baue derzeit noich am grundgerüst. aber dein interesse motiviert mich!

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      1. ChaosLu sagt:

        ich übe mich gern in geduld 🙂

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  4. ~♫~ sagt:

    Viel Erfolg mit dem Zweitblog. Ich „trauere“ gerade, weil ich noch nicht wieder laufen darf. Hätte mit 20 auch nie gedacht, dass mir das mal fehlen könnte.

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  5. trailrunnersdog sagt:

    So so… dann sind wir ja jetzt quasi Kollegen. Viel Spaß beim Laufen 🙂

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  6. Jana Ludolf sagt:

    Ich freue mich über das was da-also hier- in deinem Zweitblog passiert. Ich wünsche dir hier ebenso viele interessierte Leser und Leserinnen wie nebenan.
    Sonnige Grüße Jana

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  7. Viel Erfolg dir auch hier.
    Vielleicht versteh ich das dann mal mit dem Vorderfuß

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  8. Anonymous sagt:

    Viel Erfolg auch hier.
    Vlt versteh ich das mit dem Ferse/Vorderfuß ja dann mal

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  9. Wer hätte das gedacht: Ein Laufseppo! Vielleicht begegnet man sich mal unterwegs – falls Du Dich einmal in den Norden verläufst.
    Wie dem auch sei: Viel Erfolg!

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  10. Michael sagt:

    Viel Erfolg mit dem Zweit-Blog. Wenn der auch nur ansatzweise so unterhaltsam wird, wie Dein Erst-Blog… freue ich mich drauf….

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    1. Seppo sagt:

      schau vorbei!

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      1. Michael sagt:

        Habe ja schon auf ‚Folgen‘ gedrückt… Immer dieser Druck!

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  11. juergen61 sagt:

    Moin aus Hamburg,
    gerade meine 15km Tour geschafft…freue mich hier mitlesen zu dürfen….und ja , manchmal ist es schwer..Kunden, Familie..alle zerren an einem herum und es bleibt kaum Zeit….aber jedesmal wenn die Strecke geschafft ist geht es mir besser…egal wie gross der innere Schweinehund vorher war…
    Beste Grüsse , Jürgen

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  12. errenn sagt:

    Ich danke Dir für Deine so noch nirgendwo anders gelesenen Einsichten, Ansichten und Deine, ich kann kein anderes Wort dafür finden – wunderbare Beschreibung Deines alterns bis jetzt. Und das immer in Hinsicht auf Dein Thema! – Klasse. Ja, es war mir eine echte Freude zu lesen. Das heißt schon was bei mir . . .

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  13. antjesoasis sagt:

    Ich erinner mich ebenso gern an den einen Moment, an dem ich das erste Mal 90 Minuten am Stück einfach nur gelaufen war…eine Art rauschähnlicher Zustand, in dem man quasi wie von selbst läuft. Glückshormone for free…das wissen die Wenigsten, wer es aber mal bis zu diesem Moment geschafft hat, macht wohl ewig weiter : ) Viel Erfolg mit dem Blog!! Ich bin gespannt…

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