Beschallung beim Laufen?

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Beim Laufen habe ich keine Hand frei. Rechts halte ich den Schlüsselbund, links den „iPod“. Kürzlich schrieb mir jemand, es gebe doch so etwas wie Taschen, in denen man solche Dinge deponieren könnte. Gibt es nicht. Ich habe überall gesucht. Und was bringt mir ein klappernder Schlüsselbund in meinen Laufshorts, während ich die Lautstärke des iPods den Gegebenheiten permanent anpassen oder einfach das Lied wechseln möchte. Davon abgesehen sind meine Hände ja relativ untätig und nutzlos beim Laufen, sodass mich das Gepäck in der Hand nicht ansatzweise stört.

Lied wechseln, also. Bedeutet wohl, ich ergötze mich beim Laufen an Liedgut. Das war mal anders.

Die ersten Jahre lief ich ohne Beschallung, weil ich gar nicht auf die Idee kam, dass man etwas gegen die Langeweile beim Laufen tun könnte. Irgendwann kam ich dann auf den Trichter und versuchte es jahrelang mit „Podcasts“. WDR5 hat tolle, „Zeitzeichen“ beispielsweise. Oder das Medienmagazin vom „RBB“. Dann jedoch begab es sich, dass ich in die Verlegenheit stolperte, ein so genanntes „Konzert“ zu besuchen. Ich bin weißgott niemand, der auf Konzerte geht. Mich stören dabei die Menschen. Alle. Selbst die auftretenden. Lenkt alles zu sehr von meiner Person ab. Ich bin kein Menschenfreund und wenn sie massiert auftreten, die Menschen, dann ist das meine Sache nicht. Vielleicht laufe ich deshalb nicht in Gruppen. Horrorvorstellung. Nun gut, jetzt war aber es nun einmal so, dass ich mich musikalisch auf „Wizo“ vorbereiten musste, die ich privat übrigens seit meiner Jugend höre. Das Album „Punk gibt’s nicht umsonst“ lud ich mir also als illegale Kopie – eben doch umsonst! – auf meinen iPod und lauschte dem zarten Gesang beim Laufen:

Und stellte fest, was wohl jeder weiß, vielleicht aber nicht jeder Laufanfänger: Musik hilft beim Laufen ungemein. Beim Konzert übrigens, zwei Jahre liegt das nun zurück, war ich randvoll, habe vom Auftritt als solchen nichts mitbekommen. War aber egal, hab ja das Album.

Musik hebt zunächst einmal die Stimmung, wenn es nicht gerade so etwas wie „I’m sad, I am so sad“ ist – wer kennt den Gassenhauer nicht?! -, und die gehobene Stimmung schlägt sich positiv auf das Laufen nieder. Erstaunt, bass erstaunt sogar, stellte ich nach dem Lauf fest, dass mein Durchschnittstempo signifikant höher war. Das „WDR Zeitzeichen“ war damit Geschichte und vor einem Jahr testete ich dann Musik, die speziell fürs Laufen zusammengestellt wurde: Songs mit 130 bpm und mehr. Musik, die ich abseits des Laufens nie höre würde (Ich höre an sich sowieso keine Musik.):

Das zum Beispiel. Hab ich übrigens gekauft. Wegen einer Abmahnung vor vielen Jahren bin ich im Netz nur noch legal unterwegs … Diese Musik käme mir nicht ins Wohnzimmer, aber beim Laufen hilft sie extrem. Übrigens auch bei ebenso extremer Lautstärke, denn ich hatte bereits meinen Hörsturz und nach wie vor einen Tinnitus. Was soll’s, also.

Mit obiger Musik bin ich seit Beginn dieses Jahres abermals ein Stückchen schneller unterwegs – ohne, dass ich es forciert hätte!

Da die Laufeinheit ein seriöser Blog ist, muss ich darauf hinweisen, dass sehr laute Musik unmittelbar im Ohr verhindert, dass man weniger laute LKW überhört, die rechts abbiegen, ohne dass der Fahrer mit einem Jogger rechnet. Also, aufpassen! Man hört nichts. Außer der Musik.

Inzwischen höre ich das Album auch beim Kraftsport. Das bedeutet: Ich höre drei Stunden pro Tag diese Musik. „Last Christmas“, was wir bald wieder hören werden, stellt für mich eine enorme Abwechslung dar.

Natürlich gibt es inzwischen Apps, die die Musik passgenau an das eigene Lauftempo anpassen: Zunächst beobachtet die App den Laufrhythmus mit zwei „H“, um dann das Tempo der Partitur anzupassen, wie wir Musiker sagen. Ich habe das mal getestet, aber es war mir zu kompliziert.

Doch Obacht! Musik beim Laufen hat eine Kehrseite. Wie so vieles im Leben. Sex ausgenommen, denn an Sex ist einfach mal nichts schlecht. Sofern man verhütet. Egal. Ein weniger gut trainierter Läufer als ich (ha-ha) kann mit 160 bpm in die Falle tappen: Passt er sich dem schnellen Tempo der Musik an, „überhört“ er seine eigenen Körpersignale, nimmt diese nicht mehr wahr, und läuft womöglich über seine Verhältnisse – sprich: zu schnell. Musik beim Laufen ist eine sehr individuelle Angelegenheit, meine Musik wird nicht zum Laufstil meiner Nachbarin passen und umgekehrt. Bei Achim Achilles lese ich:

„Bei den stärkeren Sportlern hatte die Musik dagegen keinen messbaren Einfluss auf die Leistung. Viele von ihnen fühlten sich sogar von ihr gestört. Mehrere internationale Studien bestätigten seitdem diesen Eindruck. Tenor: Je schlechter der Trainingszustand des Aktiven, desto mehr kann Musik bewirken.“

Da ich jedem empfehle, möglichst frei von Dogmen zu laufen, schlage ich vor, jeder testet die Möglichkeiten von Musik für seine individuellen Trainingsziele selbst einmal aus. Mir hilft es. Doch nicht immer: Gerade dann, wenn ich durch pure Natur laufe, Beispiel Regenwald, will ich die Geräusche der Natur wahrnehmen. Dann geht es mir beim Laufen um etwas anderes, um das Lauferlebnis. Straßenverkehr jedoch muss ich ja nicht unbedingt hören, obwohl auch der im Sinne der Abwechslung seinen Reiz haben kann.

Wie auch Musik, die emotional berührt. So sehr ich auch wahnsinnig Mann bin, so sehr gibt es auch Lieder, mit denen ich etwas verbinde. Darunter fallen sogar einige „Wizo“-Stücke. Die setzen dann nostalgische, vielleicht auch melancholische Gefühle frei, die bei einem entspannten Lauf ohnehin schneller aktiviert werden, sodass ich mich plötzlich in einer emotional zumindest interessanten Lage befinden kann. Ich würde nun nicht behaupten, dass man mich mit entsprechender Musik stehend an einem See heulen erleben würde, aber zumindest in eine solche Richtung kann es gehen, wenn man mal emotional leicht lädiert ist.

Die wenigsten Läufer werden es bereits ausprobiert haben, die Beschallung beim Laufen. Welche sind Eure Erfahrungen?


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19 Kommentare Gib deinen ab

  1. hobbylaeuferin sagt:

    Bei mir wars andersrum. Ich habe erst nur Musik gehört, dann den Podcast entdeckt. Ich kann mittlerweile nicht mehr ohne „fest & flauschig“ oder die alten Folgen „sanft & sorgfältig“ einen Lauf starten. Mit Jan Böhmermann und Olli Schulz auf den Ohren läuft sichs fast von alleine und die Zeit verfliegt. Oft muss ich mich zusammenreißen nicht in lautes Gelächter zu verfallen. So genial!

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    1. Mir geht es genauso mit Bömermann und Olli Schulz, bin vor kurzem auf den Podcast „Beste Freundinnen“ (Spotify, aber gibts wohl auch überall anders) gestoßen, vllt. wär das auch was für Dich? Lass es mich wissen

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  2. relaxedlive sagt:

    Seppo, weil Du den Schlüsselbund erwähnt hast – eigentlich sollte ja ein Schlüssel, max. 2 (Haustür, u.U. Auto) ausreichend sein. Ich habe den Schlüssel immer in der Socke verstaut, so etwas oberhalb des Knöchels …lg Chris

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  3. antjesoasis sagt:

    Hmm lieber Seppo, also das mit der Musik ist ja so eine Sache. Sie beflügelt ungemein, und je nachdem was läuft, beflügelts auch das Laufen. Je schneller der Beat, umso schneller laufe ich. Zumindest bis zum nächsten Song! Aber um ehrlich zu sein, lauf ich ja in der Natur – Meer, Wald oder was sich sonst so bietet, um iwie mal völlig abzuspannen, loszulassen und nen klaren Gedanken zu fassen. Also das Rauschen des Meers oder das Knacken im Wald tuns auch. Daher keine Beschallung beim Laufen!!! LG Antje

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  4. Fresh-Air sagt:

    Dass Du als DüDo Bewohner das Medienmagazin kennst… Vergessen Sie nicht, Ihre Antenne zu erden! *g*

    Zum Thema: Keine Musik, keine zusätzliche Beschallung überhaupt… ich geniesse die Ruhe… (Im Gegensatz zum restlichen Tag, da läuft Radio Eins den ganzen Tag im Live Stream)

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    1. Seppo sagt:

      Korrekt! Es ist das beste medienmagazin.

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  5. Ich höre immer Musik beim Laufen. In der Stadt lenkt mich sonst der Verkehr zu sehr ab. Läuft die Musik, kann ich gut abschalten und höre nicht mal sehr der Musik zu. Mir hilfts eher die Ohrstecker in den Ohren zu haben. Dann weiß, jo ab gehts. Sag mal Seppo, könntest du einen Post zum Thema Laufen im Herbst/Winter oder wie laufe ich, wenn es Abends morgens/ dunkel ist, machen? Grüße

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  6. Musik läuft beim Laufen immer – ha ha – Podcasts könnte ich wohl eher nicht hören – „meine“ Musik kenne ich und irgendwann laufen die Tracks nur noch nebenher und dienen als „Ablenkung“ auf besonders verhassten Strecken (bergauf) – bei Podcasts hätte ich zu viel Angst das ich Lachen muss … Ist mir schon ein paar Mal wegen der hündischen Begleitung passiert – dafür hat es mich entweder ordentlich aus Tritt und Puste gebracht oder ich bin sogar hingefallen … Einmal musste ich einen Lauf wegen einem Lachkrampf gar abbrechen … Eine hündische Dame hatte laut gepupst und die andere war zeitgleich gegen ein Verkehrsschild gelaufen … weiterlaufen war einfach nicht mehr möglich

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  7. daopan sagt:

    Gut geschriebener und flüssig lesbarer Artikel. Deine Erfahrung, daß du in der Natur („Regenwald“) keine Musik hören willst, finde ich interessant, aber wenn man das Buch „Der Biophilia-Effekt“ liest (bin noch dabei), dann bekommt man eine Ahnung, warum das so ist – die Pflanzen kommunizieren mit dem Körper des Menschen, und vermutlich will der Körper diese Signale aufnehmen oder auch selbst welche aussenden.
    Früher hatte ich beim Joggen Musik gehört, heute jedoch nicht mehr. Mit der Musik nimmt man die Umwelt ganz anders bzw. sehr eingeschränkt war. Ohne Musik fühle ich mich sehr viel aufmerksamer und die Wertschätzung für die Natur und selbst die kleinen Dinge in ihr gewinnen an großen Wert in dem Moment der Entdeckung. Musik kann den Lauftakt erhöhen, keine Frage, aber letztlich deute ich es für mich als seien es Scheuklappen für die Aufmerksamkeit.
    Manchmal singe oder pfeife ich während des Laufens, was mir so eben in den Sinn kommt, ausgedacht aus dem Nichts, also frei ausgedacht und manchmal macht gerade das besonders viel Spaß. Problem ist leider manchmal, daß es sogar mal vorkommt eine gute improvisierte Melodie oder Text gefunden zu haben, was man hätte nun doch mal aufnehmen sollen … so bleibt es nun allerdings ein persönliches Unikat des erlebten Augenblicks.
    Ich wünsche dir alles Gute

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  8. Andrea sagt:

    Du machst ja spannende Sachen! Ich kenne dich ja noch aus Reisefeder-Zeiten, meinem alten Blog. Jetzt habe ich die Federn verlassen und mache einen neuen Blog, vielleicht magst du ja auch mal bei mir vorbeischauen? Das würde mich total freuen! Ich folg dir jetzt einfach mal. Schönen 3. Advent

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  9. hastagjustme sagt:

    Hey! Du hast einen super angenehmen Schreibstil!
    Für mich persönlich gehört Musik einfach zum Laufen dazu, machmal dient sie als Motivation und manchmal läuft sie nur aus Routine im Hintergrund.
    Hast du mal Story Running ausprobiert? Gibt es zum Beispiel bei Runtastic.
    LG

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  10. Die Hände brauch‘ ich beim Laufen. Die Arme zu schwingen fördert nicht nur die Gesamtkondition, sondern stabilisiert zusätzlich, wodurch sich die Laufleistung erhöht und der Lauf angenehmer und harmonischer wird.
    Ich laufe mit Musik, da gab’s noch den Walkman(r) und schon damals habe ich mir Zuhause meine Kassetten zusammen gebastelt, speziell für’s Laufen.
    Der Nachteil damals: Wenn ich die falsche Stimmung hatte, passte die ganze Kassette nicht.
    Heute laufe ich mit speziell gemixten mp3s (ich hasse die Pausen zwischen den Songs) und kann am Smartphone rasch die Stimmung wechseln.
    Gerade, wenn man mehr als eine Stunde unterwegs ist, macht es keinen Sinn, immer schnelle Songs zu hören, denn dann geht einem schnell die Puste aus. – Ich setze auf Abwechslung.
    Natürlich habe ich ALLE meine Songs gekauft. – Auf CD, denn so habe ich auch was für’s Regal und kann beschädigte MP3s wieder herstellen.

    Seit mehr als 20 Jahren laufe ich mit Ohrstöpseln – natürlich volle Lautstärke. 😀
    Ich hatte keinen Gehörsturz und schon gar keinen Tinnitus. Mein HNO Arzt attestierte mir 120% Hörvermögen.
    Qualität der Rips, Qualität der Ohrstöpsel und des Players (Smartphones) entscheiden.
    Früher Sony Earphones, seit ca. 5 Jahren mit Bose QC20…

    Letzteres verhindert auch, dass ich Fahrzeuge überhöre, denn es werden nur die störenden, nicht nützlichen Geräusche ausgefiltert… 😉

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  11. delasco sagt:

    Danke für den Tipp mit der Running Collection – gleich mal auf Spotify hinzugefügt. Ich laufe zwar seit über zehn Jahren mit immer der gleichen, mich unglaublich glücklich machenden Liste von Trance 80s, bin aber immer neugierig, ob ich nicht doch noch was ähnlich Tolles finde.

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  12. Luci Feria sagt:

    Ohne Armin – ohne mich! 😀

    Mein treuer Begleiter, vom (An-)Beginn an, „Armin van Buuren“!
    Seine ASOT – A State Of Trance-Episoden gehen immer ca. 2 Stunden, somit hat man, ohne musikalische Unterbrechung, lediglich mit ein wenig Blabla seinerseits, wunderbare Laufmusik mit durchschnittlich138 bpm.
    Und mal ganz ehrlich, mein Geröchel beim Laufen will ich gar nicht hören 😛 das würde mich so aus dem Konzept bringen, das geht gar nicht.
    Außerdem ist das meine Form von Meditation, wenn auch aktiv, dennoch sehr effektiv.

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