Laufen auf Eis

Oh, pardon, offenbar bin ich kurz eingenickt. Das Laufmagazin „Running“ allerdings holt mich aus meiner übersichtlichen Schreibpause unverhofft wieder heraus. Dazu ein anderes Mal viel mehr. Wenn Ihr die Ausgabe vom 10.02.17 gekauft habt – im gut sortierten Zeitschriftenhandel …

Über das Laufen zu schreiben, bedeutet für mich auch immer, mir selbst und sehr gerne auch Euch vor Augen zu halten, wie großartig diese simple Sportart im Grunde ist. Und zweifellos muss man es immer wieder verinnerlichen, denn nicht selten empfindet man während des Laufens ganz anders. Dann nämlich, wenn man hofft, dass es endlich vorbeigeht, wenn sich mal kein Läuferhoch einstellt, das hier ja schon als Mythos entlarvt wurde.

Umso wichtiger ist Abwechslung beim Laufen und die kann auch das Wetter bringen. Nach einem heißen Sommer mit kraftraubenden Läufen durch die Mittagshitze habe ich mich auf so etwas wie Winter gefreut. Entgegen meiner Erwartung ging oder geht der sogar einher mit Schnee – selbst im Schreibtisch des Ruhrgebiets hatten wir bislang zwei-, dreimal Schnee. Beim morgendlichen Anblick des Schnees war ich urplötzlich hochmotiviert sofort loszulaufen! Endlich mal was anderes als immer nur Asphalt oder Schotter! Jesus hatte noch Wasser zur Auwahl. Ich hab’s mal probiert – geht nicht.

Das erste Mal auf einer beachtlichen Schneedecke lief ich im Sommer 2004. Nein, im Winter 2004 natürlich. Für mich als Läufer war es der erste Schnee und ich war mir unsicher, ob das überhaupt gehen kann. Natürlich wie so ziemlich alles beim Laufen geht auch das. Solange der Schnee frisch ist, droht keinerlei Rutschgefahr. Ich übernehme aber auch keine Haftung für etwaige Unfälle, denn fatal sind unerwartet rutschige Stellen, die wie ein booster die Geschwindigkeit ungewollt erhöhen können, um einen dann zu Fall zu bringen.

Mehrwert wird anders als im seppolog hier großgeschrieben. Darum nun:

Mehrwert für den Leser!

Es gibt selbstverständlich Schuhe für schneeaffine Läufer. Die sind nicht nur wasserdicht, die Schuhe, sondern haben noch so etwas wie Noppen, die in diesem Zusammenhang als „Spikes“ gehandelt werden; freilich unter der Sohle. Ich rate vor Piraterieprodukten aus dem asiatischen Raum ab; Ihr erkennt sie daran, dass deren Spikes oben am Schuh sitzen, was mit der Schneefallrichtung im Raum Asiens zusammenhängt.

Da fällt mir eine Anekdote ein. Es war in einem kleinen „Edeka“ in Münster, als vor mir an der Kasse ein Kunde beim Befüllen seiner Einkaufstüten ausrutschte und sich leicht verletzte. Warum zur Hölle rutscht jemand aus dem Nichts heraus aus?! Ein Schild sollte mir die Antwort geben: „Bitte gleiten Sie nicht aus!“ stand auf jenem Schild geschrieben, das hinter dem frisch gewischten Kassenbereich aufgestellt war, um das zu verhindern, was jener glücklose Kunde eindrucksvoll bewiesen hatte, als er mit seinem Kinn auf die Kassenablage krachte. Ausgleiten. Tolles Wort. Klingt so gar nicht nach „auf die Fresse fallen“, meint aber dasselbe.

Übrigens gehört es in das viel zitierte Reich der Mythen, dass man im Winter weniger schwitzt als im Sommer. Ich weiß, wovon ich rede, denn wenn ich mich nach einem winterlichen Lauf aus meiner gezwiebelten Kleidung pelle (fünf Schichten!), bin ich jedes Mal aufs Neue überrascht, wie nass die Klamotten sind! Dazu gesellt sich der Umstand, dass gerade trockene Kälte den Körper zügig austrocknet. Wie im Sommer gilt also auch im Winter: viel trinken.

Gleitet man als Läufer überhaupt bei der derzeitigen Untergrundbeschaffenheit aus? Oder will uns die Industrie lediglich weitere Kaufanreize bieten? Ja. Also, beides ja! Denn sobald der Schnee plattgetreten ist und/oder sich in Matsch verwandelt hat, wird er zum Problem. Ich hatte in dieser Saison bereits fünf Beinahe-Stürze. Und natürlich, ich bin selbst schuld. Was auch an meinem Neutralschuh liegt, dessen Sohle an Neutralität kaum zu überbieten ist (Bitte nicht davon ablenken lassen, dass ich statt eines rechten Schuhs einen linken erwarb, da ich statt eines linken einen rechten bekommen hatte):

schuhe

Für Schnee und Matsch ist dieser „New Balance“ eher ungeeignet, ich ziehe es dennoch durch, denn: Der Frühling naht.

Anders als in den vergangenen Jahren laufe ich wieder sehr früh am Morgen. Um das Laufen überhaupt inklusive Kraftsport unterbringen zu können, verlasse ich bereits um 05.30 Uhr das Bett, in der Regel das eigene, um dann ausgerüstet mit Stirn- und Armleuchten durch das dunkle Düsseldorf zu laufen. Die Stirnleuchte erfüllt mitnichten den Zweck, den eigenen Weg zu sehen, vielmehr geht es darum, gesehen zu werden! Denn zu den fünf Beinahe-Stürzen kommen noch einige Beinahe-Zusammenstöße mit Autos. Ich laufe eben auch gerne durch die Stadt, denn da sehe ich den Schnee zumindest ein bisschen.

Anders als im benachbarten Volksgarten, dem größten Park Düsseldorfs, wo es morgens um Sieben noch stockduster ist: Dort muss ich mich darauf verlassen können, dass der Untergrund noch derselbe ist wie am Vortag. Und auch wenn Düsseldorf eine einzige Baustelle ist, ist es unwahrscheinlich, dass über Nacht der Park asphaltiert wurde. Leider hatte ich nicht daran gedacht, dass der Schnee zwar im Stadtbereich bereits mehr oder weniger geschmolzen ist, im Park jedoch er als eine Mischung aus Schnee und Eis noch durchaus präsent ist. Wenn ich dann auch noch meine, einen Tempo- oder Intervalllauf machen zu müssen, ist das #Ausgleiten (als wenig beachteter Vorgänger vom Viralhit #Heimkommen), vor dem selbst Edeka gewarnt hat, im Grunde vorprogrammiert. Nicht der komplette Weg ist ein Problem, nein, es sind nur wenige Stellen, die brandgefährlich sind, die man nicht kommen sieht.

Wird eine menschliche Leiste ruckartig überdehnt, kommt es zu einem Aufschrei. Am Morgen des 26. Jänners, der hier als Januar firmiert, konnten Düsseldorfer beobachten, wie sämtliche Vögel des Parks gesammelt gen Himmel flogen, aufgeschreckt vom Schrei eines Läufers, dessen Leiste ohne Vorbereitung in die Spagatposition geraten war: Mein linker Fuß traf auf eine vereiste Stelle, warnte den rechten noch vor, der jedoch ausglitt und mit beeindruckender Geschwindigkeit nach vorne rutschte, während der linke an seiner Position verharrte, was jeden noch so guten Laufstil schlagartig ruiniert. Nur meine Gonaden dämpften den Aufprall einem Airbag gleich, was den zweiten Aufschrei an jenem Morgen erklärte, als aber alle Vögel bereits fort waren.

Gerne liegt unter Neuschnee noch eine Eisschicht des Altschnees, die man mit oder ohne Stirnlampe nicht sehen kann. Hier empfiehlt sich zum einen die ganz automatische Drosselung des Lauftempos und zum anderen etwas, was ebenfalls ganz automatisch geschieht: Ich bin passionierter Vorfußläufer. Das kann ich bei Schnee und Glätte vergessen. Denn bereits unbewusst neigt der Körper dazu, mit der gesamten Fußsohle auf dem Boden aufzukommen, wodurch er mehr Stabilität erhält, sich aber auch bremst. Das allerdings ist ja dann egal, denn wir drosseln uns ja ohnehin schon bewusst. Temporekorde bei Glätte sind unwahrscheinlich oder eben die Folge eines rasanten Sturzes.

Laufen auf Schneematsch oder -eis ist eine ausgesprochen gefährliche Sache, auf die man sich bereits im Herbst vorbereiten kann, wenn nasses Laubwerk den Boden ziert. Selber Effekt, aber besser kalkulierbar. Oder man geht in einen frisch gewischten Edeka. Klingt nach Schlusssatz, sollte es auch sein, aber ich habe noch einen Gedanken:

Auf der einen Seite geriere ich mich als unerträglicher und risikoaverser Sicherheitsfanatiker im Alltag, doch auf der anderen Seite, dann, wenn es ums Laufen geht, propagiere ich immer wieder gerne die Nähe zur Natur und Einfachheit. Das macht für mich das Laufen ja aus. Nicht verkabelt rumzudengeln, um alle Körperfunktionen live zu tracken und an die „Techniker Krankenkasse“ zu übermitteln, sondern es ist dieses Simple des Sports, die meinem simplen Gemüt entgegenkommt. Wie an die große Sommerhitze sollte sich der Läufer auch an solch winterliche Begebenheiten herantasten und dann für sich entscheiden, ob er das bewältigen kann oder sich doch eher zu unsicher fühlt. Der Start mit einem Tempolauf über Eis und Schnee ist sicherlich kein Zeichen eines vernünftigen Geistes.


Ich verweise insbesondere für die Leser der „Running“ auf meinen zweiten Blog, auf das
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2 Kommentare Gib deinen ab

  1. karinhold sagt:

    Werde trotzdem warten, bis die Eisdecke hier wieder weg ist, bevor ich nach *hüstel* jahrzehntelanger Pause wieder mit dem Laufen anfange, solange muss halt das Zimmer herhalten ^^ Und wenn das im Zimmer noch 2 Wochen geht, dann geht es auch draußen, nur andere Schuhe wären dann vielleicht echt angesagt.

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  2. eiskunstlaufenblog sagt:

    Einfach stark! Vorab kurz gesichtet;Einfach Klasse! Viel Erfolg und mach es gut.

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