Hochrunter-Paradoxon

Die meisten Läufer laufen im Grunde im Kreis. Bedeutet, sie kommen dort an, wo sie zuvor gestartet sind; bei mir ist das schlicht meine Wohnungstür. Diese Banalität muss auf uns beobachtende Außerirdische zutiefst verstörend wirken. Folgendes Gespräch zwischen zwei Weltallwesen hat die ESA einfangen können und bis heute unter Verschluss gehalten. Der diedasLaufeinheit ist ein medialer Coup gelungen, sodass dieses geheimgehaltene Gespräch, aufgefangen im Rahmen des SETI-Projektes, hier erstmals veröffentlicht wird:

Xexos: „Ich verstehe sie nicht, die Menschenwesen.“

Xaxos: „Was meinst du?“

Xexos: „Sie stecken eine Menge körperlicher Energie in ihre Fortbewegung. Aber ist dir mal aufgefallen, dass sie oftmals da ankommen, wo sie losgelaufen sind?!“

Xaxos: „Es sind vielleicht gar keine intelligenten Wesen. Womöglich sind doch die Lemminge die führende Spezies auf diesem Planeten?“

Allerdings kann ich mich hier unmöglich um die Bedrohung durch außerirdisches Leben kümmern, denn in dieser Rubrik „Kurz erklärt“ soll es ja darum gehen, etwas, naja, kurz zu erklären. Ausgangssituation sei eben die Tatsache, dass wir im Kreis laufen und damit immer auf dergleichen Normalhöhennull ankommen, von der aus wir gestartet sind. Wenn auf unserer Laufstrecke dann beispielsweise die Zugspitze steht, sollte ja wohl gelten, dass wenn ich deren 2.962 Meter bergauf laufe, ich irgendwann auf meiner Strecke dadurch entschädigt werde, dass es diese 2.962 Meter auch wieder bergab geht, denn ich muss ja auf demselben Höhenniveau ankommen, von dem aus ich gestartet bin.

Doch jeder Läufer kennt das Phänomen, dass er sich des Eindrucks nicht erwehren kann, dass es grundsätzlich in einem höheren Maße bergauf als bergab geht! Ich lief in dieser Woche eine meiner Standardstrecken, die ich an sich ganz gerne laufe, die aber ein Paradebeispiel für dieses Phänomen ist, dessen Benennung dieLaufeinheit hiermit beansprucht; wir sprechen künftig in der Sportwissenschaft vom

Seppo’schen Hochabernichtrunter-Paradoxon.

Wenn Ihr Euch das bitte notieren würdet, es könnte prüfungsrelevant werden. 20 Minuten jener Strecke laufe ich einigermaßen ebenerdig. Dann plötzlich folgen etwa 25 Minuten, in denen ich ausschließlich bergauf laufe. Es beginnt mit einer harmlosen Steigung, die plötzlich noch einen draufsetzt, sodass ich irgendwann völlig erschöpft an einem offenbar sehr hohen Punkt dieser Stadt ankomme. Jeder vernünftig denkende Geist würde doch nun vollkommen zurecht erwarten dürfen, dass er für diese Anstrengung entschädigt wird: durch ein entsprechendes Bergablaufen, da ich ja auf mein Ursprungsniveau zurück muss. Doch auf jener Strecke stelle ich fest: Es geht nicht bergab! Physikalisch völlig unmöglich, aber dennoch verharre ich auf diesem Höhenniveau. Was ist während meines Laufes geschehen?!

Eine Theorie geht davon aus, dass sich während des Laufes einiges in Sachen Plattentektonik getan hat. Diese Theorie ist noch nicht verifiziert, darum ja auch Theorie. Ich halte sie für die wahrscheinlichste Erklärung.

Eine andere Theorie geht davon aus – und das halte ich für völlig abwegig! -, dass es sich um selektive Wahrnehmung handeln muss. Was für ein Unsinn! Nur Narren glauben an so etwas! Nur sie würden glauben, dass der Läufer das Bergauflaufen eher realisiert, da anstrengend, als das Bergablaufen. Schwachsinn! So ein Unsinn! So ein unwissenschaftlicher Quatsch! Es kann nur durch Kontinentaldrift erklärt werden; alles andere ist geradezu unseriös! Postfaktisch!

Bergauflaufen stärkt übrigens die Muskulatur. Ist keine Überraschung, ich weiß. Das tut es im anaeroben Bereich, was auch dem Training der Kraftausdauer entgegenkommt. Was viele Läufer unterschätzen: Bergauflaufen schont den Bewegungsapparat, die Muskulatur erholt sich nach einem solchen Lauf viel schneller als nach einem in flachem Gelände.

Bergablaufen hingegen ist gar keine Erholung für den Körper, im Gegenteil! So müssen Gelenke, Muskeln und Co. beim Bergablaufen ein Vielfaches des Körpergewichtes abfangen, was auf die Knie gehen kann, da auch Vorfußläufer in diesem Falle zum Fersenläufer werden, wodurch eine Schockabsorption durch das Fußgelenk nicht stattfinden kann. Also: Tempo rausnehmen beim Bergablaufen! Und reinschnäuzen?! Nein.

Zum Ende noch ein paar Zahlen: Jedes Prozent Steigung kostet etwa 0,65 km/h an Geschwindigkeit. Und nun kommt’s: Jedes Prozent Gefälle hingegen bringt nur eine zusätzliche Geschwindigkeit von 0,35 km/h!

Und warum glaubt das Magazin „Running“ zu wissen, ich sei 37 Jahre alt?!


Denn auf meinem öffentlichen Facebook-Profil ist mein korrektes Alter angegeben.  Auf meiner Homepage findet man es gar nicht. Oder doch?! Und mein Hauptblog bringt Verwirrung in die Frage um mein Alter:
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3 Kommentare Gib deinen ab

  1. Der KREISLAUF …
    ursprünglich ist der BLUTKREISLAUF als primäre Erscheinung zu nennen !

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  2. err enn sagt:

    Schmunzel . . . na ja, wenn Du nicht genau den selben Weg zurück läufst, den Du gekommen bist – dann gilt Dein Ausgleichs“gesetz“ auch nicht. – 🙂 – und selbst dann müsstest Du in den selben Fußabdrücken laufen, in genau dem selben Winkel etc – das geht ja gar nicht. Du siehst: Ausgleichs“gerechtigkeit“ gibt es nur in einer abstrakten, geistigen Welt. Nicht in unserer wirklichen, irdischen Welt. – Es gibt ja auch nicht zwei selbe Schneeflocken in unserer Welt. – und ich vermute, Du läufst auch nicht in einer geistigen, abstrakten Welt. Vielleicht gibt’s Deine ausgleichende Rauf-Runter-Welt ja doch irgendwo . . . im Schlaraffenland? Und die „Ausserirdischen“ sind, nach ihrem Gespräch zu schliessen, ja sehr irdische Gedanken austauschende Xenos. 🙂

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  3. Bisou sagt:

    Die Plattentektonik, eine schlüssige Erklärung.
    Wäre ich in die Verlegenheit gekommen es erklären zu sollen, wäre ich davon ausgegangen, dass das Bergabgefühl durch das, durchs Sporteln erzeugte Hochgefühl ausgeglichen wird.

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