D wie Dokumentieren

Vierte Runde „Läufer-ABC„! Behalte ich dieses Tempo bei, sind wir in 22 Monaten bei Z angekommen. Z wie Zehenverlust durch Sprinten. Bis es so weit ist, beschäftigen wir uns erst einmal mit dem Buchstaben D, für den Dauerlauf, Durchhaltevermögen und Disziplin im Rennen waren. Gemacht hat dieses jedoch mit verwandelten Außenseiterchancen:

Dokumentieren.

Ich dokumentiere alles in meinem Leben, vieles davon könnt Ihr beispielsweise in meinem Erfolgsblog, dem seppolog, nachlesen, in dem Pornographie eine ganz große Rolle spielt (Clickbaiting). Also dokumentiere ich seit 2004 auch meine Läufe.

Als ich vor 15 Jahren das Laufen begann, gab es noch kein Internet, keinen einzigen GPS-Satelliten (überhaupt war das Weltall noch nicht entdeckt, da von Wolken verdeckt) und keine Laufuhren. Auch die Seefahrer mussten gänzlich ohne Uhren über die Ozeane navigieren. Erste early adopter experimentierten derweil auf dem Festland mit Gleichstrom, letztlich sollte sich der Wechselstrom aber in den frühen Nullerjahren durchsetzen …

Also blieb mir nichts anderes, als meine Läufe mit einem Stift auf Papier festzuhalten, zu dokumentieren also. Dabei legte ich meine Stifte so auf das Papier, dass sie Buchstaben bildeten. Erst später wies man mich darauf hin, dass Schreiben anders funktioniert, wodurch ich eine Menge Stifte sparen konnte. Fortan war es mir möglich, mit nur einem Stift viele Buchstaben zu schreiben. So entstanden meine Laufbücher und trotz GPS-Uhr, die seit einigen Jahren meine Läufe mitzeichnet und online bei diversen Kartendiensten (und auch lokal) archiviert, bleibe ich dem handschriftlichen System treu. So sieht bei mir die Dokumentation eines Laufes aus:

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Der findige Leser erkennt, dass ich offenbar einen Buchkalender benutze, sodass sich bereits eine nicht unerhebliche Bibliothek angesammelt hat, die das folgende Bild zeigt. Konzentrieren wir uns vorher jedoch auf die Erklärung meines hochkomplexen Dokumentationssystemes: Die große Zahl links oben beschreibt mit 50:56 die Dauer des Laufes, direkt darunter erkenne ich, dass ich die sogenannte „Stellwerk-Runde“ (9,69 Kilometer) gelaufen bin, eine meiner Standard-Strecken, die hier in Düsseldorf an einem Bahn-Stellwerk entlangführt. Nun wird es kompliziert: Das jeweils erste Mal in einem Kalenderjahr definiere ich die Strecken, das heißt, ich notiere sehr genau, welche Straßen ich nehme. Das kann ganze Seiten füllen: „Volksgartenstr., Auf’m Hennekamp, durch Volksgarten (oben rum), Siegburger Str., entlang A46 …“ und damit ich das nicht jedes Mal aufs Neue notieren muss, kürze ich für den Rest des Jahres ab und verpasse meinen etwa 20 Standardstrecken Namen: „Stellwerk-Runde“, „Automeilen-Runde“, „Zweibrücken-Lauf“, „Oberbilker Kurzrunde“, „Universitätslauf“, „Flinger Lauf des Erbrechens“, „Stadttor-Runde“ oder, ganz vielversprechend, „Lauf der Sehenswürdigkeiten“.

In der rechten Spalte notiere ich die Streckenlänge sowie das letztendliche Durchschnittstempo, worauf meine gewählte Kleidung folgt („K“), zum Beispiel „lang: 4 Schichten“, eine knappe Stimmungsbeschreibung („gut“), dann das Wetter („mild, 5°C“) sowie den Zeitpunkt des Laufens. Hier lief ich offenbar um 13.15 Uhr los. Ich hatte frei an jenem Tag, es war „zwischen den Jahren“.

Die „253“ unten bezieht sich nicht mehr aufs Laufen, sondern dokumentiert meine 253. Kraftsporteinheit des vergangenen Jahres.

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Als Sicherheitsfanatiker habe ich zusätzlich jede Seite jedes Buches abfotografiert, denn Papier ist vergänglich, auch wenn ich glaube, diese Papiere überleben mich, aber ich habe das Gefühl, Methusalem zu sein, darum die digitale Zusatzmaßnahme, die übrigens schwer nervige Arbeit ist und klar, das Digitale ist viel vergänglicher als das Papierene.

Die ersten beiden Jahre meines Laufens habe ich leider nicht dokumentiert, was ich im Nachhinein äußerst bedauere. Damals lief ich noch sehr monoton durchs Leben, umrundete zunächst Tag für Tag den „Steinersee“ in Münster, später dann den größeren Aasee. Erst als ich auf die Idee kam, auf „Entdeckungsläufe“ zu gehen, begann ich, diese zu dokumentieren, was natürlich einherging mit einem Zählen der Läufe. Und wenn man einmal mit dem Zählen angefangen hat, versucht man sich im Folgejahr selbst zu übertreffen, also noch öfter zu laufen:

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Dieses Wettrüsten beendete ich damit, dass ich meine maximale Anzahl an Läufen willkürlich auf 205 festlegte. Einbrüche wie im Jahr 2009 oder zuletzt 2015 sind mit Erkrankungen zu erklären. 2009 raffte mich eine Lungenfellentzündung gegen Jahresende nieder, während 2015 es ein Leistenbruch war, der mir im Herbst bereits die Statistik verhagelt hatte. Drücken wir mir für 2017 die Daumen …

Das Notieren der Wetterverhältnisse schien mir anfangs ausgesprochen sinnlos, doch inzwischen kann ich auf ein Privatarchiv von 13 Jahren der Wetterbeobachtung zurückblicken, sodass Klimaforscher oft meine Daten einsehen wollen. Und was zeigen meine Daten? Dass es tatsächlich milder geworden ist, gerade winters. Früher war es mitnichten so, dass ich kurzhosig und -ärmlig meinen Weihnachtslauf begehen konnte, heuer ist es Standard. Erste Kälte findet meist erst ab Januar statt. Dass ich aber mal bei minus zehn Grad gelaufen bin, liegt fast zehn Jahre zurück.

Auch die Umstellung von langer auf kurze Laufbekleidung findet bei mir immer früher statt. In diesem Januar lief ich bereits in kurzer Klamotte. Und wie meine Statistik zeigt, ist das ein früher Zeitpunkt verglichen mit vergangenen Jahren. Oh, ich realisiere gerade, dass mein Vater bald seinen 70. Geburtstag begeht. Darf ich nicht vergessen. Ich weiß, wie am 15.08.2006 das Wetter war, vergesse aber wichtige Geburtstage … Prioritäten!!!!!

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So, wir stellen abschließend fest, dass ich offenbar ein Beamtenkind bin, das Freund des Ordnens und insbesondere des Einordnens ist. Aber das Dokumentieren dieser Dinge bedient ja keineswegs einen Selbstzweck, sondern offenbart im Laufe der Jahre und vielleicht auch bald der Jahrzehnte Tendenzen und Schwerpunkte. Diese Art der Rahmendaten interessiert mich deutlich mehr als Dinge wie Puls oder Laktatwert, beides jedoch hat sicher seine Berechtigung. Oder keines von beiden.

Es ist 07.45 Uhr. Ein Intervalllauf steht an, für den ich überraschend motiviert bin. Währenddessen lasst mich gerne wissen, wie Ihr es mit dem Dokumentieren Eurer Läufe haltet!


Noch mehr Daten über mich erfasst meine Facebook-Seite.

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6 Kommentare Gib deinen ab

  1. Wie? es gab vor 15 Jahren noch kein Internet?…..Also, ich war da schon am Surfen;)

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    1. Seppo sagt:

      Nein. Das ist relativ neu, etwa zwei, drei Jahre alt.

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      1. Achso. Ja stimmt, wo du das jetzt so sagst;)…Ein Versuch war es ja wert, vielleicht klappt es beim Nächsten mal….menno, ich kann auch niemanden mal auf den Arm nehmen:(

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  2. Robert sagt:

    Ihr habt natürlich beide recht. Das frühere Internet war noch sehr instabil. Denn das hatte meine Schwiegermutter (aus Versehen) gelöscht. Deshalb traut sie sich an das heutige auch nicht mehr ran. Und daher läuft es auch bisher (einigermaßen) stabil. 😭😜🤔

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