Im Alltag vom Laufen profitieren

Warum läuft man? Um voranzukommen. Doch viele laufen und kommen doch wieder dort an, wo sie losgelaufen sind. Wir sprechen in diesem Zusammenhang von „Laufsport“. Nicht das Ziel ist das Ziel, sondern der Weg. Wenn aber der Weg das Ziel ist, das Ziel aber nicht das Ziel, wie kann dann der Weg das Ziel sein?! Mit dieser Frage lasse ich Sie allein.

Oh, wird hier jetzt auch gesiezt?

Exakt.

Viele glauben ja, dass wir Läufer laufen, um Gewicht zu verlieren. Das mag bei einigen von uns der Fall sein, ich behaupte jedoch, dass die meisten Läufer passionierte Läufer sind, die nebenbei auch sehr genau wissen, dass Laufen nicht die geeignete Sportart ist, um Gewicht zu verlieren. In dem Falle ist Kraftsport die bessere Alternative (mehr Muskeln verbrennen mehr Fett), Laufen kann jedoch solche Effekte durchaus unterstützen.

Wir laufen meist aus anderen Gründen: Laufen kann durchaus zu einem Erlebnis werden. Und: Wir profitieren im Alltag davon. Ich merke es jeden Morgen, nachdem ich gelaufen bin. Ich kann noch so gerädert oder gar verkatert aufwachen: Laufen geht immer und vor allem gilt das Seppo’sche Laufgesetz:

Egal, wie es Dir vor einem Lauf geht, nach einem Lauf geht es Dir stets besser.

Mache das eben noch fett und größer, dann kann es weitergehen. Moment …

Egal, wie es Dir vor einem Lauf geht, nach einem Lauf geht es Dir stets besser.

Das Gesetz begründet auch, warum es keinen Grund gibt, nicht zu laufen. Leider. Ich bin da sehr militant.

Der Alltag profitiert vom Laufen. Nicht der Alltag als solcher, eher der Mensch im Alltag. Dieser startet nach einem morgendlichen Lauf deutlich gelassener und vor allem optimistischer in den Tag. Hat etwas mit den Glückshormonen zu tun, Dopamin und Co. werden beim Sport ausgeschüttet und lassen grüßen. Stress lässt sich leichter bewältigen, zumal man während des Laufens seine Gedanken sortieren kann. Nach „Preis absteigend“ zum Beispiel. Wie oft habe ich schon Probleme unmittelbar während eines Laufes lösen können? Rhetorische Frage, bitte nicht nach einer Antwort suchen, die nicht „oft“ lautet. Ich erwähne in diesem Zusammenhang immer gerne mein Lieblingsbeispiel: Thema und Titel meiner Magisterarbeit fielen mir bei einem Lauf ein, nachdem ich zuvor wochenlang ergebnislos darüber nachgedacht hatte. Ideen kommen mir ebenfalls signifikant häufig (Das klingt gut!) beim Laufen. Aus dem Nichts. Hat übrigens etwas mit der Monotonie des Laufens an sich zu tun; das Gehirn stellt Areale und Ressourcen frei, um kreativ zu sein. Wissenschaftlich untermauerte Tests belegen zudem, dass bereits ein Spaziergang Kreativität fördert. Das wäre mir aber zu einfach, ich suche ja Gründe fürs Laufen, nicht fürs Flanieren.

Wenn ich mich morgens nach dem Lauf auf den Weg zur Arbeit mache, stelle ich mitunter eine penetrant gute Laune bei mir fest, für die ich Mitmenschen verachten würde. Darum zeige ich sie auch nicht so offensiv. Obwohl man sie ja durchaus teilen sollte. Aber wer bin ich denn, für andere mitzulaufen?!

Übrigens verändert sich im Laufe der Cait auch der Stoffwechsel. Insbesondere Tempo- oder Intervallläufe trainieren diesen, um die Nährstoffe effizienter zu verwerten; beispielsweise brauchen die Glykogendepots länger, bis sie geleert sind (Glycogen speichert und stellt Glucose bereit).

Mir persönlich fällt seit einigen Jahren auf, dass ich grundsätzlich sehr beweglich bin, was ich auch auf meine Hirn-Bein-Fuß-Koordination schiebe. Das kann ich mir auch einbilden, aber das würde mir ja schon genügen. Ich behaupte, wer mehrfach die Woche in zügigem Tempo auf wechselnden Untergründen unterwegs ist, ist im Grunde prädestiniert für den Parcours-Lauf. Anders ausgedrückt: Auf unsere Füße ist Verlass, sie wissen, wie es geht.

Für mich ein nicht unwichtiger Nebeneffekt des Laufens ist das „Entdecken“. Als ich 2008 von Münster nach Düsseldorf zog, lernte ich binnen wenigen Wochen, denn bei „binnen“ regiert der Dativ, die neue Stadt kennen. Viele Straßennamen kenne ich nur, weil ich sie mir beim Dokumentieren meiner Lauftstrecken einpräge. Zudem entdeckt man Ecken einer Stadt, in die man sonst nie kommen würde (Oberkassel). Darum empfehle ich auch gerne: Raus aus den Parks, lauft auch durch die Stadt!

Wird nicht mehr gesiezt?!

Ja. Finde ich nun doch albern. Läufer unter sich.

Ich empfehle auch Läufe von Stadt zu Stadt. So laufe ich gerne eine Strecke von Düsseldorf nach Mettmann, nach Erkrath oder nach Ratingen. Bis Görlitz habe ich es noch nicht geschafft, könnte zu ambitioniert sein.

Ich laufe sehr gerne, ganz offenbar, und hadere an meinen zwei lauffreien Tagen, die ich mir pro Woche gönne, durchaus damit, dass ich nicht laufe. Dieses tägliche Maß an proaktiver Bewegung

Hahahaha! Keine Sorge, das mit dem „proaktiv“ habe ich nicht ernstgemeint. War lediglich auf der Suche nach einem Schlusssatz, der mir einfach nicht einfallen will.

Aber es ist etwas dran. Wer einmal damit angefangen hat, das Laufen zu einem Teil seines Alltages mit einem festen Platz in diesem zu machen, kann gar nicht mehr ohne. Mitunter zahlt man einen Preis: Ich stehe morgens zwischen fünf und halb sechs auf, um meinen Sport unterzubringen. Aber es ist für mich keine Alternative, ihn zu streichen, nur um länger schlafen zu können.


Gut, Ihr wisst nun Bescheid. Mehr dazu auf meiner Facebook-Seite.

lewerbung-1

4 Kommentare Gib deinen ab

  1. antjesoasis sagt:

    Dem kann ich mich nur anschließen!! Neue Orte und Städte laufend zu entdecken ist super effektiv und die besten Gedanken kommen mir auch beim Laufen bzw. machen den Kopf wieder klar, wenn gar nichts mehr geht!! Danke für die Erinnerung! … ich geh jetzt laufen!! : )

    Gefällt 1 Person

  2. Hat dies auf Lauftreff Trausdorf – laufend Spass haben rebloggt und kommentierte:
    Liebe Laufinteressierte,

    ein sehr gut geschriebener Text, in dem einer von vielen Gründen, zu laufen, erläutert wird!

    Viel Spaß beim Lesen!

    Gefällt 1 Person

  3. steffi sagt:

    Hi Seppo! Ich mag deinen Laufblog echt gern (bin eigentlich kein großer Blogleser)! Oft hier ist oft genug was zum Schmunzeln oder sogar laut lachen dabei 🙂 Ich stimme dir absolut zu: Stress aus, Beine an hilft IMMER. und nicht selten bring man von seinem Läufchen auch eine gute Idee mit. Ich persönlich laufe allerdings gar nicht gern in der Stadt – aus verschiedenen Gründen: der Asphalt, die Ampeln, die Geräusche, die Menschen (Fußgänger und Radler können sehr nervig sein). Für mich ist Laufen eigentlich immer ein Ausflug ins Grüne – oder jetzt gerade ins Weiße. 🙂

    Gefällt 2 Personen

  4. Lieber Seppo, bin auch eine von den täglichen Joggerinnen, Leben ohne Laufen – unvorstellbar! Es hält frisch, macht gute Laune und die Gedanken erst… es bringt einem immer gute Ideen. Mal durch die Straßen, oft durch den Grunewald, Laufen ist mir ein Vergnügen…Viel Spaß dabei wünscht dir Mary Poppins at school!

    Gefällt 1 Person

Deine Meinung hierzu!

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s