Auch bei Regen?!

Wir Läufer, die wir uns gerne von Joggern abgrenzen, sind ja schon eine sehr eingebildete Gruppe. Zurecht aber auch, denn eine gewisse Arroganz können wir uns ja leisten, da wir sie uns erarbeitet haben. Viele Läufer laufen bis zu fünf Mal pro Woche (ich) und den einen oder anderen Marathon im Jahr (ich nicht). Das Laufen gehört zum Tagesrhythmus dazu, liefen wir mal nicht, wären wir unzufrieden. Mit bestem Gewissen dürfen wir also durchaus stolz sein.

Es gibt so Fragen, die man mir immer mal wieder stellt und die ich inzwischen gar nicht mehr nachvollziehen kann, was womöglich arrogant wirkt, es aber nicht ist. Meine beliebteste Frage dabei ist:

Läufst du auch bei Regen?

Wurde ich kürzlich wieder gefragt und was soll ich da außer „ja“ groß antworten?! Natürlich tue ich das, denn würde ich nicht bei Regen laufen, könnte ich einen nicht unerheblichen Teil des Jahres überhaupt nicht laufen! Denn es gibt ja noch die, die auch nicht bei Kälte laufen würden. Und nicht bei Hitze. Nicht bei Wind. Und auch nicht bei Schnee. Jene Menschen machen das Gros der Menschheit aus: Sie laufen eben gar nicht. Mit dem Vorhaben eines Läufers, nämlich zu laufen, kollidiert das Nichtlaufen.

Regen stört beim Laufen nicht einmal ansatzweise, wenn es nicht gerade ein lang anhaltender Platzregen ist, der die Schuhsohlen der Laufschuhe flutet. Erst dann wird Laufen nämlich wirklich zum Problem. Einen solchen Regenguss erlebte ich laufend das letzte Mal, als ich noch in Münster lebte. Nach fünf Minuten durch „Kyrill“ war mein Schuhwerk derart durchnässt, dass ich ein albernes Geräusch beim Laufen von mir gab und meine Füße einzige Blasen wurden.

Doch es genügt ja schon ein Rieselnegen, nein, Nieselregen, um nass zu werden. Auch das ist im Grunde völlig egal, da man ja ohnehin schwitzt. Und Schweiß ist ja im Grunde Regen, der von innen kommt, sich den Umweg über den Wasserkreislauf spart. Überdies dusche ich nach einem Lauf, so oder so führt ein solcher dazu, dass ich zu mindestens zu einem Zeitpunkt mal so richtig nass bin und wenn es erst unter der Dusche so weit ist. Für Sportler, Läufer insbesondere gibt es daher runningTowels ™, im Volksmund „Handtuch“ genannt. Findet man inzwischen auch in Nichtläufer-Haushalten, da sie in der Massenherstellung recht erschwinglich geworden sind. Es gibt sie in dunklerer Farbe für „unten rum“.

Wer wie ich die ersten Jahre allerdings mit Baumwolle durch die Gegend eiert, weiß irgendwann Funktionswäsche absolut zu schätzen, da Regen und Baumwolle sich zueinander wie Vernunft und Frauke Petry verhalten.

Durch Kyrill zu laufen, war damals übrigens eine ungünstige Idee, aber ich wusste zum Zeitpunkt des Loslaufens ja nicht, dass es sich wirklich um einen „Jahrhundertsturm“ handelte. Grundsätzlich ist Laufen bei Wind oder gar Sturm ein sensationelles Erlebnis, da man als Zivilisationsmensch zumindest denkt, man könne den Elementen kaum näher sein. Wetterextreme sind eine tolle Abwechslung zur sonstigen Laufmonotonie. Sie werden aber dann zum Problem, wenn einem die Elemente in Form eines Baumes auf den Kopf geweht werden …

Ermüdet dich ein Lauf nicht ungemein?

Nein. Denn ich höre ja auf, bevor ich an der deutsch-polnischen Grenze stehe. Distanzen von acht bis zehn Kilometern am Morgen, und auch die jenseits der zehn!, ermüden den Körper ja nicht, sie wecken ihn ja geradezu auf! Vor einem Lauf bin ich im Grunde immer müde, aber deshalb gehe ich ja auch laufen, um danach den ganzen Tag über wacher zu sein als Nichtläufer.

Das schränke ich allerdings an dieser Stelle ehrlicherweise etwas ein: Zurzeit ballere ich mich zusätzlich zum Laufen derart mit Krafttraining zu, dass ich abends um zehn Uhr etwa zwei Minuten brauche um einzuschlafen. Das wiederum ist allerdings ein toller Nebeneffekt, nie schlief ich besser als derzeit. Freue mich jetzt schon wieder drauf!

Ob ich nicht morgens lieber ’ne Stunde länger schlafen würde als laufen zu gehen, werde ich gelegentlich gefragt.

Klare Antwort: Ja. Aber was hilft’s, Sport hat Vorrang.

Laufen ist doch langweilig, oder nicht?

Schwierig. Ja und nein. Man kann einiges dafür tun, dass ein Lauf langweilig wird. Ich selbst bin viele Jahre lang täglich dieselbe Strecke gelaufen. Man muss schon sehr simpel sein, um nicht auf die Idee zu kommen, einfach mal woanders herzulaufen. Als ich dann endlich auf den Trichter kam, wurde Laufen wieder interessant. Lest dazu auch gerne über Entdeckungsläufe hier in der Laufeinheit.

Eine Zeit lang habe ich mir Radiopodcasts mit zum Laufen genommen, inzwischen läuft allerdings beatlastige Musi auf meinem „iPod“, was ungemein motivierend wirkt. Je mehr „beats per minute“, desto schneller läuft man. Überhaupt sollte man das Tempo täglich variieren. Wer jeden Tag sehr schnell läuft, wird einen negativen Trainingseffekt ernten und seine Ziele verfehlen. Wer schnell sein und Rekorde laufen will, muss den langsamen Läufen frönen, die überhaupt erst die Ausdauer trainieren. Etwa zwei meiner fünf wöchentlichen Läufe sind Intervallläufe oder Fahrtspiele, mindestens einen Lauf pro Woche gestalte ich bewusst langsam, was erstaunlicherweise gar nicht so einfach ist. Nicht nur Anfänger neigen dazu, zu schnell zu laufen.

Laufen kann durchaus langweilig sein, gerade dann, wenn man – wie ich – meist alleine läuft. Doch genau diese Ruhe suche ich. Es ist die einzige Stunde am Tage, in der ich wirklich vollumfänglich entspannen kann.

Gehen deine Gelenke nicht vom Laufen kaputt?

Ach ja, darauf antworte ich inzwischen schon gar nicht mehr. Es ist ein nicht totzukriegendes Klischee. Das Gegenteil ist der Fall, sofern man eben mit einer sauberen Technik läuft. Vielmehr schützt Laufen die Gelenke vor Abnutzung. Ich darf jemandem zitieren, dem derzeit alles geglaubt wird, was er sagt, um mich zu untermauern:

„Durch die Bewegung wird die Gelenkschmiere dünnflüssiger und versorgt den Knorpel besser mit Nährstoffen.“

Besten Dank, Herr Professor Froböse (und ja, Almased ist Gift). Wenn man dann noch nebenher Muskeln aufbaut, werden die Gelenke erst recht schützend flankiert oder flankierend geschützt. Wichtig für Anfänger allerdings ist es, es ruiich angehen zu lassen, vielleicht so 20 Minuten Dauerlauf in den ersten Wochen mit einer 15-prozentigen Steigerungsrate pro Woche. Und wer ein bisschen dick ist, sollte mit Walking anfangen, was auch für O- und X-Beinige gilt.

Grundsätzlich ist Laufen völlig unbedenklich. Wer das bestätigt wissen will, kann es mal mit einem Medizin-Check versuchen. Ich hab’s einmal gemacht, jener Arzt war begeistert ob meines Ruhepulses diesseits der 50. Wenn ich lange ruhig sitze, bin ich faktisch tot.


Die neuesten Artikel der Laufeinheit: auf meiner Facebook-Seite!

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5 Kommentare Gib deinen ab

  1. agnes p. sagt:

    Ganz ehrlich – gerade bei diesem Wetter – null bis 10 Grad, Nieselregen und feuchte Luft, empfinde ich Laufen als besonders angenehm. Man läuft sich warm, während Stirn und Nase gekühlt und gefühlt gereinigt werden.

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  2. arenevplier sagt:

    Genauso und nicht anders @seppolog-boy. Regen, Kälte, Wind…weckt auf und das mögen manche Frauen nicht glauben, aber es macht eine schönere Haut danach. Null Botox, viel Durchblutung und gesund. Nicht nur für die Fresse, sondern auch für den Magen. 😉

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  3. arenevplier sagt:

    Mein vorheriger Kommentar ist weg 😦 aber ja Laufen im Regen ist top!!!

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  4. Da bin ich bei Dir, neben der angenehmen Kühlung die ein Regenlauf mit sich bringt trainiert man durchaus seine Schnelligkeit und Koordination, besonders wenn man auf Wegen entlangläuft wie sie das Artikelbild zeigt. Nichts steigert die Geschwindigkeit so wie Matschabsätze unter den Schuhen.

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  5. Sehr gut und witzig geschrieben! Auch aus meiner sportmedizinischen Sicht alles korrekt, außer dass ich eine Steigerung des Trainingsumfangs von 15% pro Woche bei Anfängern für zu viel halte. 5-10% reichen völlig aus.

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