Kraftsport (III): Was stimmt, was nicht stimmt

Nach dem trockenen Fachaufsatz im zweiten Teil unserer heiteren Serie über Kraftsport soll es hier etwas populärwissenschaftlicher zugehen.

„Ich dachte, dies wäre ein Laufblog?!“

Das ist korrekt, aber derzeit ist eben „Hypertrophie“ mein Ding und es ergänzt sich ja hervorragend mit dem Laufen.

„Na gut. Aber wie wäre es mit dieKrafteinheit?“

Ich denke mal darüber nach …

Ein beliebtes journalistisches Stilmittel, auch wenn es um die Laufberichterstattung geht, ist die Betrachtung mit anschließender Entlarvung von Mythen. Wobei Mythen ja nicht entlarvt werden, denn sie sind ja bereits entlarvte Behauptungen. Entlarvte man Mythen, wären es danach ja Tatsachen. Tatsachen wiederum kann man nicht als Mythen entlarven, denn dann wären es ja keine Tatsachen. Das ist Fakt. Wie dem auch sei, hier und heute soll es also um Mythen rund um den Kraftsport gehen. Das, was ich beispielsweise mir immer wieder anhören muss, ist:

Tägliches Trainieren ist falsch!

Das stimmt eben nicht, dazu lasse ich mich hier bereits aus, darum direkt weiter zu Mythos Nummer zwei:

Seppo stinkt.

Ich hoffe, dass ich das nicht tue. Sicher können das aber nur Menschen aus meinem näheren Umfeld sagen. Häufiges Waschen soll dem entgegenwirken.

Man kann direkt Problemzonen wegtrainieren.

Leider nicht. Auch wenn viele es gerne glauben, so kann man nicht mit bestimmten Übungen gezielt an Problemzonen abnehmen. Egal, was man trainiert, zu allererst nimmt man im Gesicht ab. Zwar kann man gezielt Regionen stärken oder aufbauen und das entsprechende Gewebe straffen, doch der Körper verbrennt das Fett eben nicht gezielt, sondern baut seine Fettreserven gleichmäßig ab. Und das auch stärker beim Kraftausdauer- als beim Muskelmasseaufbautraining.

Muskeln machen langsam und unbeweglich.

In Teilen trifft das zu. Wer nur auf den Aufbau von enormer Muskelmasse setzt, vernachlässigt Übungen mit einem größtmöglichen Bewegungsradius. Bei gleichzeitigem Verzicht auf Dehneinheiten kommt es schnell zu Muskel- und Sehnenverkürzungen, die einen tatsächlich unbeweglicher machen. Ein Usain Bolt hingegen, der ja durchaus muskulös daherkommt, ist alles andere als langsam und unbeweglich. Manch einer sagt, er sei sogar ziemlich schnell.

Krafttraining wandelt das Fett in Muskeln um.

Hab ich auch mal gedacht. Erstaunlich, denn an sich bin ich unfehlbar. Somit kann das gar kein Mythos sein! Ist es aber, da man die Sache differenziert angehen muss. Schade, ich verallgemeinere so gerne. Aber auch hier muss eben unterschieden werden zwischen Ausdauertraining und purem Krafttraining. Mit Zweitem bringen wir unsere Muskeln auf Vordermann, aber nur mit Erstem, der Ausdauer, greifen wir auf unsere Fettdepots zu und bauen sie ab.

Durch Krafttraining nehmen wir zu.

Ich habe jüngst fünf Kilo zugelegt. Mir wurde gesagt, es läge am Kraftsport, das sei Muskelmasse. Nun ja, es wäre schön und ein Teil davon ist vermutlich auch neue Masse, aber gleich fünf Kilo?! Ich esse einfach falsch, was mir immer bewusst und egal war. Seit etwa einer Woche allerdings koche ich seltsame Rezepte nach und nehme Unmengen an Eiweiß zu mir. Nicht nur, dass ich gerade eine ganz neue Seite meiner Verdauung kennenlerne, sondern ich habe bereits zwei Kilogramm verloren.

Muskeln wiegen in der Tat mehr als Fett. Ein Kilo Muskeln wiegt also mehr als ein Kilo Fett.

„Häh?!“

Ja, sollte ein Scherz sein. Also, Muskelgewebe ist schwerer als Fettgewebe. Gezielter Masseaufbau führt also zu einer Gewichtszunahme, was legitimes Ziel sein kann. Falls nicht, empfiehlt sich ein ergänzendes Cardioprogramm, das übrigens auch die Qualität der Muskulatur stärkt.

Tröstend ist, dass ein Mehr an Gewicht durch Muskeln ja auch ganz okay aussieht, anders als ein Mehr an Fett, also ein Meer aus Fett, das an einem herunterhängt. Hier kommen übrigens Körperfettmessungen ins Spiel, die nicht ganz so einfach durchzuführen sind. Günstige Personenwaagen, die vorgeben, das zu können, können es leider nicht. Dazu später vermutlich nicht mehr.

Krafttraining ist nichts für Übergewichtige.

Den Mythos kenne ich so nicht, wüsste nicht, warum das der Fall sein sollte. Gerade dann, wenn das Übergewicht einhergeht mit Gelenkbeschwerden, ist Krafttraining ein optimaler Sport für „Betroffene“, da Knorpel, Bänder, Sehnen und natürlich die Muskeln dabei gestärkt werden, was insgesamt die Belastungstoleranz erhöht, woraus eine geringere Verletzungsanfälligkeit resultiert.

Nur wenn man schwitzt, verliert man Kilos.

Auch ich werde immer unruhig, wenn ich beim Sport mal nicht schwitze. Kommt aber nie vor. Denn wir wissen, dass Trainierte – ob Läufer oder Radfahrer oder Schwimmer – mehr schwitzen als Untrainierte, da ihre Schweißdrüsen effizienter und schneller arbeiten. Schwitzen jedoch hat mit Fettverbrennung nichts zu tun; allerdings verliert man Wasser und Nährstoffe. Dieser Mangel muss zügig ausgeglichen werden, da schon ein geringer Flüssigkeitsverlust Leistungseinbußen bedeutet.

Einmal in der Woche Training ist zu wenig.

Nun ja. Es ist durchaus so, dass ich das belächeln würde, aber nun gut, ich gebe zu, dass Anfänger ihre Leistung schon mit einer Stunde Training pro Woche steigern können. Für Fortgeschrittene oder Vollendedelprofis wie mich wäre es tatsächlich zu wenig; zwei- bis dreimal seien angebracht. Ich mache natürlich mehr.

Ganz grundsätzlich finde ich es bemerkenswert, dass immer wieder unterstellt wird, jemand der Sport betreibe, gerade Lauf- und Kraftsport, tue dieses, weil er abnehmen möchte. Warum eigentlich?! Es geht um so vieles mehr beim Sport!


Neben zahlreichen Quellen war mir dieses Werk hierbei eine Hilfe, das ich sehr empfehlen kann, bin aber erst auf Seite 48. Übungen enthält es wie auch Trainingspläne nicht, behandelt jedoch, ohne dabei zu wissenschaftlich zu werden, die Theorie rund um das Krafttraining. Weitere Tipps findet Ihr nicht auf meiner Facebook-Seite.

buch

 

Ein Kommentar Gib deinen ab

  1. Luana Niedermoser sagt:

    hahaha ich musste bei einigen Mythos echt lachen 😀
    Ich gehe seid 2 Jahren regelmäßig ins Fitnessstudio, mein Ziel war nie das Abnehmen, sondern ich wollte einfach was neues ausprobieren, da ich schon einige Sportarten schon betrieben habe. Heutzutage ist meine Einstellung schon ganz anders, als wie am Anfang. Naja ich habe halt Erfahrung gemacht und mich weiter entwickelt.
    Am Anfang dachte ich auch immer, dass man durch Sport abnimmt und einen guten Körper bekommt, doch ich habe schnell festgestellt, dass dies nicht so ist! Heutzutage ist meine Ernährung komplett anders und ich achte sehr darauf, was ich zu mir nehme.
    Und ich gebe dir vollkommen recht, dass Sport viel mehr ist, als nur Sport!!!
    Ich finde deine Posts super toll und informativ!!!

    XOXO Luana
    https://luananiedermoser.com

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