Ins Ziel gekommen!

205 Läufe in diesem Jahr: Ich habe mein Ziel abermals erreicht!

Ich laufe seit dem Frühjahr 2002 regelmäßig. Zunächst lief ich stets zwei Tage in Folge mit einem Tag Unterbrechung, sodass ich auf einen Wochendurchschnitt von 4,8 Läufen gekommen bin. Als Beamtensohn liegen mir offensichtlich Statistiken und womöglich unterscheidet die statistische Aufarbeitung des Laufens den Läufer vom Jogger. Nur vor diesem Hintergrund kann ich mir erklären, warum ich bis heute ein jedes Laufjahr an seinem Ende aufschlüssele, auswerte, analysiere! Nicht etwa anhand irgendwelcher apps, sondern tatsächlich mittels Lauftagebuch und Kuli! So entnehme ich beispielsweise meinen Aufzeichnungen, dass ich im Jahr 2004 lediglich 134 Mal gelaufen war, im Folgejahr aber schon 166 Male. Nach weiteren Steigerungen erreichte ich 2008 erstmals 205 Läufe. Und mit dieser Anzahl habe ich mich anfreunden können.

205 Läufe bei in der Regel 365 Tagen, die das Jahr zur Verfügung stellt, klingen erst einmal nicht nach viel. Erst recht dann nicht, wenn man bedenkt, dass ich seit 2003 schon fünf Mal pro Woche laufe, denn dann müsste ich ja auf 260 Läufe pro Jahr kommen. Allerdings gönne ich mir alljährlich fünf lauffreie Wochen, die ich meist aber nicht am Stück nehme, da ich Angst habe, danach plötzlich nicht mehr laufen zu können. Es ist wenig ratsam, den Gelenken die Belastung abzugewöhnen. Ich erinnere mich an so manchen Neustart nach Pausen, den mindestens eine der Achichellesfersen nicht gut überstanden hat, sodass ich die Pausenwochen inzwischen über einen längeren Caitraum verteile.

Fünf Wochen lauffrei bedeuten somit einen Verlust von 25 Läufen, die also dem möglichen Maximum der 260 abzuziehen sind. So landen wir bei 235. Gott, wen soll das eigentlich interessieren?! Egal, wir machen weiter. In der BWL spricht man von Opportunitätskosten, also Kosten, die durch Verzicht entstehen. Verkaufe ich sonntags keine Currywurst an meiner Imbissbude, entstehen mir indirekt Kosten: weil ich ja – würde ich verkaufen – Geld verdienen könnte, welches mir durch den Ruhetag jedoch entgeht. Ich führe also hiermit feierlich den Begriff der Opportunitätsläufe ein! Denn solche entstehen freilich auch durch: Krankheit!

Zwar war ich zwei Jahre am Stück nicht mehr ansatzweise erkältet, was für mich schon eine kleine Sensation ist!, doch hat es mich in dieser Saison bereits zweimal erwischt. Derzeit beispielsweise kämpfe ich seit drei Wochen gegen eine hartnäckige Verkühlung. Während ich diese Zeilen schreibe, häufen sich neben mir mehrere Schneuztücher an, die ich mit transparentem Schleim befülle. Also nicht grünem oder gelbem, was für ein Virus oder eine bakterielle Infektion spräche, sondern mit dem „guten“ Schleim, der aber auch nervt. Also, solche Erkältungen oder Grippen muss ich einpreisen. Oder auch andere Wehwechen. 2015 beispielsweise kam ich am Ende des Jahres auf nur 181 Läufe, da mir eine Leisten-Operation rund 20 Opportunitätsläufe beschert hat – ich lag halt flach.

2009 gilt als das Laufflop-Jahr überhaupt in meiner persönlichen Laufhistorie: Damals folgte auf eine Grippe erst eine Lungenfell-, dann eine Mittelohrentzündung, die mit zwei Hörstürzen abschloss: An Laufen war damals mehrere Wochen lang nicht zu denken, da ich erst wieder hören können wollte. Erst im Folgejahr kam ich wieder auf meine 205.

In diesem Jahr erreichte ich meinen finalen Lauf bereits am achten Dezember. Eben weil es gut lief, das Jahr. Die kurze Grippe im November kostete mich kaum Läufe, da ich nicht zu den Hysterischen gehöre, die schon beim kleinsten Schnupfen jegliche sportliche Betätigung einstellen. Denn es ist inzwischen auch in der Medizin anerkannt, dass leichte Bewegung die Rekonvaleszenz beschleunigt. In diesem Zusammenhang interessant: Es warnen immer diejenigen vor Sport mit Verkühlung, die selbst ganzjährig auf Sport verzichten. Ausgerechnet sie wollen es besser wissen?! Mit Verlaub, ich blicke auf nunmehr 16 Jahre der Lauferfahrung zurück, ich denke, es gut für mich einschätzen zu können.

Nun könnte ich natürlich – das Jahr hat ja noch einige Wochen! – weiterlaufen. Über die 205 hinaus! Einen neuen Rekord aufstellen! Die Latte für 2018 noch höher hängen! Nur fürchte ich, sie dann zu reißen. Die Zahl 205 scheint mir also genau die richtige Lattenhöhe zu sein, die ich fast jedes Jahr erreichen kann. Denn gelegentlich fahre auch ich in den Urlaub. Und nicht immer will ich dort auch laufen. Ein zweiwöchiger Urlaub verursacht zehn weitere Opportunitätsläufe, also solche, die nicht stattfinden. Im vergangenen Urlaub allerdings lief ich, wenn auch weniger als fünf Mal pro Woche.

So leidenschaftlich ich laufe, so sehr kann ich auch lauffreie Tage genießen. Das gilt insbesondere jetzt zur Weihnachtszeit. Demnächst gehe ich auf Familientournee zwecks Besinnlichkeit, wo ich zum Laufen kaum Zeit hätte, auch wenn grundsätzlich gilt, dass für Sport immer Zeit ist. Alles andere ist eine Ausrede. Doch diese Phase am Ende eines jeden Jahres gönne ich mir dann auch, habe ich doch das Jahresziel erreicht. Allerdings muss es dazu in den Vormonaten glatt laufen; es gab schon Jahre, in denen ich bis zum letzten Tag lief, um die 205 zu erreichen. Es gab schon Tage, an denen ich zwei Mal lief, um das zu schaffen. Wahnsinn. Aber lange nicht mehr gemacht. Manchmal packt es einen aber!

Der Blick auf meine Aufzeichnungen verrät mir ein Muster. Bislang war es so, dass ich die 205 stets in zwei aufeinanderfolgenden Jahren erreicht habe, wonach ich es im dritten Jahr verfehlte. Eben aufgrund oben genannter Gründe, zu denen sich auch Verletzungen gesellen können. Ich erinnere mich an das Jahr 2004: In dessen Herbst plagten mich extreme Schmerzen im Fuß. Kein Arzt wusste, was dahintersteckte. Und ich rede hier nicht von Augenärzten, sondern von Sportmedizinern. Keiner dieser Sportmediziner kam auf die Idee, sich mal meinen Laufschuh näher anzusehen. Denn letztlich war er es, der eine enorme Fehlstellung  meines Fußes beim Laufen verursacht hatte, die zu heftigsten Schmerzen führte, sodass ich in der Hochphase nicht einmal mehr gehen konnte! 2004 war ich, was das Laufen angeht, selbst relativ dumm und unbelesen, machte jeden Fehler, den so ziemlich jeder Laufanfänger macht, und merkte es nicht! Inzwischen habe ich mir einen nicht unerheblichen Wissensfundus aneignen können, auf den ich mir einen einbilde. Zurecht aber auch.

Da ich 2016 und dieses Jahr mit 205 Läufen abschließen konnte, befürchte ich nun, dass es beim bisherigen Muster bleibt. Und das würde bedeuten, dass ich mein Ziel, die willkürliche 205, verfehlen werde! Oder aber ich schaffe erstmals das tripple! Genau das muss mein Ziel sein! Und so geht das Feilschen bereits am ersten Tag des neuen Jahres bei mir los. Ich kenne das! Schon an Neujahr, mit einem heftigen Kater im Nacken!, werde ich mit mir kämpfen: Laufen oder auf dem Sofa versacken?! Jeder nicht gelaufene Tag bedeutet eine Gefährdung des Jahresziels! Und das ist für mich das Faszinierende: dass ich von Beginn an dieses Ziel vor Augen habe, von Januar bis Dezember dafür kämpfe. Und wenn man etwas derart hartnäckig verfolgt, dann ergibt sich daraus automatisch:

Es darf keine Ausnahmen geben, es darf keine Ausreden geben! Auch dieses ist der Unterschied zwischen dem Läufer und dem Jogger.

Was sind Eure Lauf- oder Sportziele? Oder habt Ihr Euch gar sportliche Vorsätze für 2018 gesetzt? Und setzt man Vorsätze? Ist ein Vorsatz der Satz vor einem Satz? Fragen über Fragen, die Antworten von Euch gerne in den Kommentaren!


Ich freue mich, wieder an dieser Stelle schreiben zu wollen. Besonders findigen Lesern meines anderen Blogs wird auffallen, dass hier noch Renovierungsbedarf besteht. Das nehme ich vielleicht „zwischen den Jahren“ in Angriff, vielleicht aber auch nicht. Besucht mich unabhängig davon gerne auf meiner Facebook-Seite oder bei Instagram!

16 Kommentare Gib deinen ab

  1. Seppo sagt:

    Hat dies auf rebloggt.

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  2. Talianna sagt:

    Ich laufe derzeit in erster Linie, um meine Kopfschmerzen, die Verspannungen und den Stress in den Griff zu bekommen bzw. eher im Griff zu halten.

    Dass dabei auch noch eine Vorbereitung für einen Halbmarathon drin war und gut funktionierte, ist eher ein Nebenprodukt. Tatsächlich ist es bei mir nicht die schiere Zahl der Läufe an sich, die mein Vorsatz oder Ziel wäre, sondern eher Streckenvorgaben. Zu meinen kurzfristigeren Vorsätzen gehören teils auch Dinge wie „mittlere Strecke pro Aktivität in einem bestimmten Monat“. All das korreliert natürlich mit dem jeweiligen Fernziel – das für das Jahr 2018 Halbmarathon und Marathon sind.

    Allerdings habe ich als Hauptziel ausgerufen, die Gesundheit zu fördern – dabei geht es um oben genannte Aspekte, mehr aber noch (leistungsbegrenzend oder eher: steigerungsbegrenzend) um meine chronisch entzündliche Darmerkrankung.

    Ich hoffe, das ist okay, dass ich anhand des Reblogs doch noch auf die Frage im Beitrag antworte. 😉

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  3. Ruhrköpfe sagt:

    Laufen, um zu Laufen und das jetzt seit fast 24 Jahren. Das hätte ich niemals für möglich gehalten Und in zwanzig Jahren will ich immer noch Laufen. Bisher gibt es keinerlei Verschleißerscheinungen oder Verletzungen durch die Lauferei. Toi toi toi 🙂

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      1. Ruhrköpfe sagt:

        merci, tut einfach gut

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  4. somi1407 sagt:

    Opportunitätsläufe – geil, muss ich mir merken. So einen Lauf werde ich nämlich morgen machen. Oder nicht machen. Wie auch immer.
    Vorsatz für 2018? Marathon laufen 🙂

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  5. Robert sagt:

    Ich habe mir vorgenommen, mir nichts mehr vorzunehmen. Weil es dann oft doch nicht klappt. Also werde ich nur noch von Tag zu Tag entscheiden, ob ich laufe oder nicht. Klappt bisher ganz gut.

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  6. Ich laufe so ca. 5 Mal die Woche und freue mich immer sehr, wenn ich im Jahr über 2.000 km zusammenbringe. Ziele sind einerseist weider erfolgreiche Halbmarathons (bedeutet für mich unter 1h45), und irgendwann werde ich es hoffentlich auch packen, endlich mal die 10 km unter 45 Minuten zu laufen (bin daran 2016 und 2017 gescheitert, immer nach jeweils 3 Monaten Vorbereitungszeit. Das tut schon weh.).
    Sonst? Ich merke immer mehr, dass ich das Laufen brauche, um den Kopf freizukriegen – lange Läufe, kurze Interval-Läufe, Tempowechselläufe, knackige Pyramiden,…all das erfrischt mich körperlich und geistig und gibt mir neue Kraft.

    Und ich freue mich, dass die Laufeinheit wieder aktiviert wurde! Weiter so!

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    1. Seppo sagt:

      „erfrischen“ ist das richtige wort, gerade durch ein nicht-monotones laufprogramm!

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  7. Fresh-Air sagt:

    Natürlich ist ein Vorsatz auch ein Satz.
    Ein recht kurzer eben.
    Aber man kann ihn ja verlängern… so auf nen Monat oder ein Jahr oder so. Ich habe seit diesem Jahr jeweils Moantsziele, die ich mir vor dem jeweiligen Monat immer so um die hundert km lege, um am Ende des Jahres auf 1.200 km zu kommen. Jahresziel erreicht am 03.Dezember. Seitdem Laufen auf Sparflamme… zu viel zu tun in der Vorweihnachtstzeit, so dass ich das Dezembermonatsziel wohl reissen werden… nicht schlimm. 🙂
    Ziele sind toll, die spornen einen an, man freut sich, wenn man sie erreicht hat, man kann damit prahlen. Und manchmal gabs auch schon ein Bier nach dem Zieleinlauf 🙂

    Respekt und Gratulation zu 205 Läufen!

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    1. Seppo sagt:

      Respekt für deine Distanzen!

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  8. Ich laufe jetzt seit knapp 1 3/4 Jahren regelmäßig und habe im Oktober dieses Jahr meinen ersten HM gefinished. Hatte mir dieses Jahr ein Ziel von 600 km gesetzt, bzw. 50 km im Schnitt pro Monat und bin jetzt schon bei 778 km. Die 800 sollte ich ja wohl noch knacken. Wie häufig ich laufe? Schon regelmäßig und ich versuche, es 2-3x die Woche. Meine Vorsätze für 2018: Mehr Laufevents und meine Bestzeit im HM verbesern. Mal sehen, welches km Ziel ich mir setze. Vielleicht 1000 km.

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  9. langeguido sagt:

    Ein schöner Beitrag und meinen höchsten Respekt vor den 205 Lãufen im Jahr!
    Ich weiß auch, daß die Anzahl wichtiger ist als die km, denn oft und dafür etwas kürzer laufen ist gesund, z.B. 4x10k sind „besser“ als 2×25.
    Ich führe witzigerweise auch seit 2011 ein Laufbuch in Form einer kleinen Tabelle mit Strecke, Entfernung, Datum, Zeit und Höhenmetern und sogar Schuhe. Dann mache ich immer einen Strich unter das Laufjahr und gucke ein paar Minuten da drauf rum…
    Dieses Jahr würde ich gern auf 185 Läufe mit knapp 4000 km kommen. Das ist nur möglich durch mein Abenteuer Baltikum. Denn mit meinem Arbeitsalltag ließen sich diese Zahlen nicht vereinbaren.
    Aber vielleicht ja doch, denn Zeit kann ich mir nehmen, wenn die Sehnsucht danach groß genug ist.
    http://abenteuerbaltikum.com

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  10. verafabian sagt:

    Hat dies auf Vera Fabian – Lebensimpuls rebloggt und kommentierte:
    Gebe die Hoffnung nicht auf, dass du es mit deinem Bloggen doch noch schaffst, dass ich mein Hinterteil auch mal wieder hoch bekomme….:)

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