Was ist ein Fahrtspiel?!

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Laufen gilt als montoner, geradezu langweiliger und eintöniger Sport. So völlig abstreiten will ich das nicht, denn es ist ja was dran: Der Läufer läuft halt so rum. Von außen betrachtet wirkt er manchmal ziellos, ja, sogar etwas gelangweilt. Doch es geht auch anders!

Es ist am Läufer, der Monotonie etwas entgegenzusetzen. Möge er variieren: in Bezug auf die Strecke beispielsweise – oder auf das Tempo! Ausschließlich auf langsame Dauerläufe zu setzen, ist beispielsweise ein Fehler, der nicht nur Langeweile zur Folge hat, sondern auch einen negativen Trainingseffekt, also einen Abbau von Kondition und Muskeln. Das Gegenteil erreicht der Läufer durch Tempovariationen. Und jetzt schon einmal sage ich in absoluter Deutlichkeit: Wer stets im selben Tempo unterwegs ist, der wird weder abnehmen (Laufen ist ohnehin kein Sport zum Abnehmen!), seine Muskulatur stärken, seiner Kondition einen Gefallen tun noch wird er seinen Gelenken einen Gefallen tun. Er sollte besser gar nicht laufen. Statistisch betrachtet verkürzt er sein Leben um 50 Jahre. Gut, das mit den 50 Jahren war ein Scherz. Wollte es etwas überdramatisieren. Alles andere aber stimmt. Und erklärt auch, warum viele Menschen Laufen scheiße finden. Weil sie es falsch machen.

Wenn ich Hunde durch den Park rennen sehe (mitunter mir hinterher, was ich als bedrohlich empfinde), stelle ich fest, dass diese Tiere meist unfassbar glücklich wirken. Schwanzwedelnd hechten sie auf etwas oder jemanden zu, bremsen und drehen ab, um in eine andere Richtung weiterzulaufen. Erspähen sie ein Opfer (mich), legen sie an Tempo zu und beherrschen die Klaviatur des Geländes perfekt! Inzwischen weiß man, dass Hunde, teilweise ja sehr dumm, sehr genau berechnen können, wann sie wohin springen müssen: den Untergrund, aber auch alle anderen Objekte registrieren sie sehr genau. Was sie aber nicht davon abhält, treudoof vor fahrende Autos zu laufen … da muss noch nachjustiert werden.

Worauf ich hinaus will: Es gibt ganz offensichtlich Erdenbewohner, die Spaß am Laufen, am Rennen haben! Und das kann ich sehr gut nachfühlen – anders als jemand, der monoton und immer gleichen Tempos durch die Gegend dackelt. Hier empfehle ich neben Tempoläufen das seltsame Fahrtspiel.

Den Begriff des Fahrtspieles finde ich völlig déplacé. Fahre ich dabei?! Ich laufe doch, dachte ich immer. Und Spiel?! Ich habe viele Jahre nicht begriffen, was ein Laufcoach von mir wollte, wenn er mir ein Fahrtspiel empfahl. Dabei ist es so einfach, weil es die wohl unkomplizierteste Laufvariante überhaupt ist: bar jeder Regel.

Blick in „Die Laufbibel“ (Matthias Marquardt, 2013), einem gelungenen Standardwerk zum Thema Laufen mit allerdings denkbar schlechtem Titel, das in Sachen Fahrtspiel weiß:

Das Fahrtspiel ist ein sehr abwechslungsreiches Training, bei dem Sie willkürlich zwischen den Belastungsbereichen wechseln. […] Sie können sich für die Auswahl des Tempos sehr gut vom Gelände leiten lassen: einen harten Sprint am Hügel bei Kilometer zwei, dann eine lockere Trabphase über den Feldweg. […] Ihrer Kreativität sind keine Grenzen gesetzt!

(Gibt es wohl auch „Der Laufkoran“?!)

Soll bedeuten: Beim Fahrtspiel geht alles und tatsächlich bringt es Spaß. Ich laufe mich oft lockere zehn Minuten ein, um dann für umstehende Flora völlig überraschend loszusprinten. Mal für eine Minute, mal für zwei oder eben bis zur nächsten Bank – alles ist möglich. Dem folgen wieder einige trabende Minuten, bevor ich dann beispielsweise einen Hügel hochsprinte. Man variiert also ganz nach Gusto, sodass Herz und Kreislauf immer wieder neu gefordert werden. Mal pumpt der Puls jenseits des maximalen und dann wieder kommt er runter, bevor er abermals hochgejazzt wird. Und wer besonders pfiffig ist, baut noch einige Kraft(ausdauer)übungen in sein Fahrtspiel ein. Ob dips an einer Sitzbank oder Klimmzüge auf einem Spielplatz – geht alles.

Aber warum zur Hölle „Fahrtspiel“?! Gucken wir in das Glossar von „Das große Laufbuch“ (Herbert Steffny, 2009) unter F wie:

Fahrtspiel. Das ursprünglich aus Skandinavien stammende und vom schwedischen „fartlek“ abgeleitete Fahrtspiel ist eine sehr spielerische Trainingsform mit ständigem Wechsel von Belastung und Entlastung. Nach dem Einlaufen werden unterschiedlich lange Abschnitte abwechselnd nach Körpergefühl schneller oder langsamer gelaufen.

Steffny, Deutscher Meister und Olympia-Teilnehmer (Olympia-Teilnehmer heißt wohl, er hat nicht viele Medaillen geholt! Ich war selbst auch nur Teilnehmer an Bundesjugendspielen …), schreibt von Sprints auf dem Asphalt, „kräfteraubenden Abschnitten durch Sand, Matsch odere Schnee“, die mit Joggingpausen kombiniert werden dürfen.  Letztlich sind Fahrtspiele sehr flexible Intervall- oder Pyramidenläufe, die wirklich Spaß bringen.

Aber nun wissen wir noch immer nicht, warum es „Fahrtspiel“ heißt. Gut, von „fartlek“ abgeleitet. Aber was bedeutet „fartlek“? Jetzt lege ich meine Bücher zur Seite und gucke bei Wikipedia nach.

Als Fahrtspiel (von schwedisch: Fartlek, von fart = Geschwindigkeit und lek = Spiel) bezeichnet man eine Trainingsform im Laufsport, bei der das Lauftempo während eines Dauerlaufes mehrmals gesteigert und verringert wird. Auf Deutsch ist das Wort eine Lehnübertragung, in viele andere Sprachen ist es direkt aus dem Schwedischen übernommen worden. Die Idee des Fahrtspiels wurde 1930 vom schwedischen Nationaltrainer Gösta Holmér entwickelt. Sie gilt noch heute als eine der wirkungsvollsten Trainingsformen für den Mittel- und Langstreckenlauf. Aus dieser neuen Trainingsform resultierten die Erfolge der damaligen skandinavischen Langstreckenläufer.

Na bitte, warum denn nicht gleich?! Und „Spiel“, ja, das passt. Denn es ist mal eine Trainingsform, die starre Regeln außer acht lässt. Auf nichts muss der Läufer achten, lediglich auf seinen Körper muss er hören. Er kann an seine Grenzen gehen, wenn es ihm passt, nicht wenn eine Pulsuhr es ihm nahelegt. Diese Trainingsmethode empfiehlt sich für solche Läufer, die bereits in der Lage sind, 60 Minuten ohne Unterbrechung zu laufen, die sich also bereits eine ordentliche Ausdauer erarbeitet haben, die stets vor der Verbesserung der Schnelligkeit stehen sollte. Ein bis zwei Fahrtspiele pro Woche werden als sinnvoll erachtet (in der so genannten Fachwelt), sofern mindestens dreimal wöchentlich gelaufen wird, ansonsten wird es rechnerisch schwierig.

Abschließend noch ein Rat von „Runner’s World„, dem Magazin, dem ich persönlich sehr skeptisch gegenüberstehe, aber wir wollen diesem mal Glauben schenken:

Auch beim Fahrtspiel sollten Belastung und Erholung im richtigen Verhältnis stehen, damit das Training zum Erfolg, sprich zu einer Verbesserung der Leistungsfähigkeit führt. Das bedeutet, auf eine harte Tempobelastung muss immer eine ruhige Laufpassage oder Gehpause folgen. Je schneller und länger ein Teilabschnitt war, desto ausführlicher muss die (Trab-)Pause sein.

Das kann man so sehen, aber es ist ja bereits ein Eingriff in das liberale Prinzip des Fahrtspiels. Meiner Erfahrung nach ist ein regelbefreiter Kopf die ideale Voraussetzung für ein Fahrtspiel. Und insbesondere ein solches im Schnee empfehle ich dringend, zumal ja derzeit gelegentlich Schnee vom Himmel fällt!

Wie sind Eure Erfahrungen mit Fahrtspielen? Auf welche weiteren Trainingsmethoden setzt Ihr darüber hinaus? Freue mich auf Eure Kommentare!


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3 Kommentare Gib deinen ab

  1. trailbirdie sagt:

    Ich habe Fahrtspiel schon gemacht bevor ich wusste was es ist und bevor ich meinen ersten Trainingsplan hatte 😉 Einfach im Gelände herumlaufen, mal schneller mal langsam. Kinder machen das auch automatisch, nur wir Erwachsene denken einfach oft zu viel nach. Nach Gefühl leiten lassen, der Körper sagt einem schon wann es wieder schneller geht und wann eine Pause gut wäre. Viel Spaß weiterhin beim Laufen! LG

    Gefällt 2 Personen

  2. grindknight sagt:

    Den Begriff „Fahrtspiel“ kannte ich bisher gar nicht, bin aber umso stolzer, gelernt zu haben, dass ich hie und da, wenn mich halt die Laune packt, sozusagen instinktiv ein Fahrtspieler bin. Manchmal rechne ich beim Laufen aus Jux und Dollerei vor mich hin: „Der Kenianer soundso finishte den letzten 10-Kilometerlauf von daundda in 28 Minuten, also in einer Durchschnittsgeschwindigkeit von zirka MEHR ALS 20 KMH! Schaun wir doch mal, ob ich wenigstens die nächsten 100 Meter in annähernd der Geschwindigkeit schaffe (vorausgesetzt, es geht ein bisschen abwärts), ohne mich zu erbrechen.“ Somit variiere ich automatisch meine Geschwindigkeit, hab Spaß und manchmal sogar sowas wie ein kleines Erfolgsgefühl. UND die Anschaffung der GPS-Pulsuhr hat sich obendrein noch gelohnt! Ab sofort befindet sich „Fahrtspiel“ in meinem aktiven Wortschatz, also dankeschön dafür, Seppo!
    PS: Warum Laufen sich nicht zum Abnehmen eignen soll kann ich nicht zur Gänze nachvollziehen. Bei mir waren’s neun Kilo weniger in drei Monaten (und seit zwei Monaten, in denen ich aus Faulheitsgründen wieder etwas zurückgeschraubt habe, leider wieder drei vier Kilo mehr…)

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  3. Uwe sagt:

    Moin auch Seppo, also den Begriff „Fahrtspiel“ kannte ich bisher für dieses laufen bisher auch nicht. Ich habe es für mich immer Intervelltrining genannnt. Aber ich musss sagen es ist sehr effektiv. Ich habe bis jetzt immer noch einen Ruhepuls von 47 Bpm. Aber ich nehme BCA´s und andere Eiweißpräparate um meine Muskulatur zu behalten, dann noch Krafttraining, schwimmen, Kampfsport etc. Bringt nur jetzt nicht viel, Weinachtszeit viel Zuckerfutter etc. Im Frühjahr latsche ich es wieder runter. 😉

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